Die Vertreibung aus dem Paradies
oder
Wie die Unschuld des Blicks verloren ging
Okwui Enwezor zeigt in der zentralen Ausstellung der 56. Biennale di Venezia den Riss, der die globalisierte Welt spaltet – und verliert sich in den Verästelungen seiner Vorstellungen
von Amine Haase
Hegel bemerkte irgendwo, dass alle großen
weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen
sich sozusagen zweimal ereignen.
Er hat vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal
als Tragödie, das andere Mal als Farce.
Karl Marx
Was in einer Stadt wie Kassel funktionieren konnte, ist in Venedig zum Scheitern verurteilt. So möchte man den Weg Okwui Enwezors von der Documenta 11 (2002) zu seiner zentralen Ausstellung für die 56. Biennale d’Arte (2015) beschreiben. Der Wille, Kunst als ein Mittel der Erkenntnis zu präsentieren, blieb der gleiche. Doch die Zeiten – und wohl auch der Kurator – haben sich geändert. Vor dreizehn Jahren lenkte die erste Documenta im 21. Jahrhundert den Blick weit über den westlich zentrierten Tellerrand hinaus. Heute ist die Globalisierung alltäglich, mit all ihren Vor- und Nachteilen. Ungerechtigkeiten und Unrecht, die sie nach sich zieht, treten immer deutlicher hervor; wir können sie via herkömmliche Medien und Internet fast zeitgleich miterleben. Insofern ist es verständlich, ja notwendig, dass eine Ausstellung, die traditionsgemäß ein internationales Publikum in Massen anzieht, den Finger in die Wunden legt. Aber kann die Kunst uns aus der Position der Beobachter herausholen und zu Akteuren machen? Oder sind wir zum hilflosen Zuschauen verdammt? In Kassel bestand die Hoffnung, dass eine Ausstellung unsere Sicht auf die Welt verändert, dass Kunst uns verwandelt, dass jeder einen…
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