Ausstellungen: Berlin · von Matthias Reichelt · S. 350
Ausstellungen: Berlin , 2001

Matthias Reichelt

Dirk Sommer : »Ich male gern«

Haus am Kleistpark, Berlin, 17.6. – 22.7.2001

When the music is over turn off the light but just remember death is not the end
Jim Morrison, Bob Dylan

Veilchen, Vögel, Mäuse, Hasen und Rotwild naturalistisch auf großen Leinwänden, die jeden Bewunderer von Flora und Fauna entzückten, wäre da nicht eine Schicht, die sich störend wie „Schmutz“ vor bzw. auf den Motiven abgelagert hat. Die scheinbar beziehungslosen Additive wie Graffiti auf einer Mauer, die Textzeile aus einem Song der Doors, hier eine Kinderkritzelei, dort ein Fußabdruck, sind Zeichen spontanen Ausdrucks, vermeintlich unbewusste Äußerungen in einer naturalistisch getreuen Malerei. In diesen Bildern, die als Versuche über die Grenzerweiterung von Malerei gewertet werden können, verschränken sich Planung und Zufall. In manchen Gemälden hinterließ Dirk Sommers Tochter ihre Spuren. Sie wurde dann in der Signatur berücksichtigt (D.P.S.). Einige Bilder gerieten durch die Verwendung von z.B. Pin-ups oder anderen Bildern aus Zeitschriften sowie Schaumstoff zu Assemblagen. Sommer hat aber auch skulptural gearbeitet. Ein Spielzeughase und ein Teddybär eng aneinandergepresst durch Schaumstoff- und Klebeband, Reminiszenzen eines Kunsttransports, versinnbildlichen humorvoll das Luftraubende symbiotischer Beziehungen. Die Skulptur trägt den lapidaren Titel „too much love“. Eine Fotografie dieses Objekts wurde in einem Gemälde nochmals verarbeitet.

Seinen Fotoarbeiten stellen Sommers Sinn für Denkwürdiges und Sonderbares im Alltag unter Beweis. Doch immer wieder dringt seine Lust am Malen und Zeichnen durch. Zwischen den großformatigen Werken hat er sich immer und überall der kleinen Zeichnung gewidmet, oftmals auch nur mit kleinen Eingriffen mittels Kaffee oder Deckweiß in vorgefundenes Bildmaterial….

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