Ausstellungen: Stuttgart · S. 355
Ausstellungen: Stuttgart , 2016

Johannes Meinhardt

Ein Loch im Meer

Württembergischer Kunstverein, Stuttgart, 21.5. – 21.8.2016

Enblem und Titelgeber der Ausstellung ist eine Arbeit von Barry Flanagan: „A Hole in the Sea“ von 1969, das Video einer Landart-Aktion im Rahmen von Gerry Schums Fernsehgalerie: ein Plexiglaszylinder wurde bei Ebbe im Watt eingegraben, der bei steigender Flut, teilweise aus dem Wasser ragend, aber selbst unsichtbar, für kurze Zeit ein Loch im Meer erzeugt, bis der Zylinder und damit das Loch überflutet werden. Dieses leere Loch in einem kontinuierlichen, veränderlichen, in-diskreten Medium, dem Meer ergibt eine Art von Einschnitt, eine Markierung, eine Verortung oder Festlegung eines Ortes im Meer – nur dass dieser Einschnitt, dieser festgelegte Ort wieder vom Meer weggewaschen werden, wieder in die Ortlosigkeit übergeht.

Auf ganz andere Weise spielt die `Skulptur´ oder eher Glyphe von George Brecht mit Abwesenheit, Leere, Ort und Sprache. „Void Pebble“ von 1985 ist ein großer, ovaler, abgeschliffener Stein, in den in großen Großbuchstaben VOID eingegraben oder skulptiert wurde. Problem der Referenz: bezieht sich das Sprachzeichen LEERE auf sich selbst, wörtlich auf die durch Beseitigung von Steinmateriel erzeugte Inschrift, eine leere oder Negativform von Buchstaben, oder metaphorisch auf die wesentliche Leere des sprachlichen Zeichens (des symbols), das auch nur ein Ort in einer Struktur ist; oder doch nur, einen einfachen Widerspruch zwischen materieller Tatsache und Bedeutung eines Wortes schaffend, auf den Kieselstein, eine kompakte, sinnlich undurchdringliche Materie.

Auf eine weniger begriffliche als wuchernde und mäandernde (`rhyzomatische´) Weise kreist die Ausstellung um das Thema der Kartografie, der Verortung, der messbaren Festlegung von Orten…

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