Biennalen: Gwangju ,

Ein Puzzle der Weltprobleme gestern und morgen

12. Gwangju Biennale, Südkorea

Imagined Borders 07.09. – 11.11.2018

von Sabine B. Vogel

Seit 15 Jahren steht das Militärkrankenhaus leer. Die Scheiben sind zerbrochen, durch die leeren Fenster wachsen Bäume in das Treppenhaus. Jetzt dient es drei Monate lang als Ausstellungsort der 12. Gwangju Biennale. 1995 gegründet, ist es die wichtigste Biennale in der Region. Die erste Ausgabe lief unter dem Titel „Beyond the Borders“ und erinnerte explizit an die brutale Niederschlagung der Demonstration am 18. Mai 1980. In der Industriestadt Gwangju, 330 Kilometer südwestlich von Seoul entfernt, hatten Studenten mehr Demokratie gefordert, was von der damaligen Militärdiktatur mit Waffengewalt beantwortet wurde. Seither arbeitet sich nahezu jede Edition dieser Biennale an dem Gründungshintergrund ab. Auch Mike Nelson (England) und Kader Attia (Frankreich) greifen mit ihren eigens für den gespenstischen Ort geschaffenen Werken das Thema auf: Nelson sammelte erblindete Spiegel im Krankenhaus und hängt sie „als Zeugen einer nie dokumentierten Geschichte“, wie er es beschreibt, in die hauseigene Kirche. Attia wählte einige der engen, vergitterten Kammern. Dort stehen jetzt Holzbalken mitten im Zimmer. Dicke Stahlklammern scheinen die aufklaffenden Risse im Holz zusammenhalten zu wollen. Hier werden die Geister der Geschichte beschworen – und das ist auch das immer wiederkehrende Thema dieser 12. Ausgabe, die unter dem Titel „Imagined Borders“ steht.

Mit dem Titel knüpft die neue Präsidentin Sunjung Kim an die Gründungsbiennale an. Kim gehört zu den wichtigsten Kuratoren Koreas, gründete 2005 das Institut SAMUSO, ist Professorin an der Korea National University und war 2012 Teil des Kuratorenteams der…

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