Ausstellungen: Stuttgart ,

Stuttgart

Ekstase

Das Leiden an der Individuation

Kunstmuseum Stuttgart 29.09.2018 – 24.02.2019; Zentrum Paul Klee, Bern 04.04. – 04.08.2019

von Johannes Meinhardt

Die ziemlich problematische Grundthese der Ausstellung „Ekstase“ ist, dass Ekstase ein ahistorisches, in der Biochemie des Menschen verankertes Phänomen sei. Sie sei „eines der ältesten und erstaunlichsten anthropologisch universellen Phänomene. (…) Grundlegend hierfür sind biochemische Prozesse: Gehirnwellen verändern sich und Endorphine werden ausgestoßen.“(Ulrike Groos) Das, was wir als Subjekt kennen, hat sich jedoch historisch extrem stark verändert – so wie selbst heute noch in verschiedenen Kulturen unterschiedliche Typen von Subjekt existieren; nicht nur Bewusstsein und Subjektivität, sondern auch Wahrnehmung und Selbstwahrnehmung sind historisch gewordene und sich verändernde Phänomene. Die Geschichte der Verinnerlichung der Affekte seit Homer, der Ausbildung eines personalen Ichs seit der Reformation und die Aufklärung als Nötigung zu einer Synthesis des Selbst haben auch die Erfahrung des Außer-sich-Seins oder des Selbstverlusts grundlegend verändert.

Die Ausstellung umfasst, mit etwa 230 Exponaten, die Kultur- und Kunstgeschichte der letzten zweieinhalb Jahrtausende (das älteste Exponat ist die sehr schöne „Trinkschale des Onesimos“, um 490 / 480 v. Chr.) ebenso wie kulturelle, in einem weiten Sinne religiöse Phänomene unterschiedlichster Kulturen (Dionysischer Kult, Schamanismus, Brasilianischer Candomblè). Die Fülle kulturell und gesellschaftlich sehr unterschiedlicher Formen von Gruppenerfahrungen und individuellen Erfahrungen, von einerseits religiösen, rituellen, künstlerischen und erotischen Erfahrungen und andererseits von Massenerlebnissen im Sport und in der Musik der Jugendkultur oder von Erlebnissen mit Drogen und Sucht wurde in neun Abteilungen gegliedert: Dionysischer Kult, religiöse Verzückung, brasilianischer Candomblé, Schamanismus, Sport, Tanz- und Musikekstasen, Liebesekstasen, Jugendkultur, Rausch und Droge.

Gemeinsam ist…

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