Ausstellungen: Köln · S. 294
Ausstellungen: Köln , 1988

Jürgen Raap

Elvira Bach

Galerie Holtmann, 29.4. – 20.6.1988

Man möchte sich mit einem Cocktailglas zurücklehnen und einem Schlager der „Neuen Deutschen Welle“ lauschen: „Monotonie in der Südsee. Melancholie bei dreißig Grad …“, wie die Gruppe „Ideal“ die mittelständischen Urlaubsträume besang. Elvira Bach ist noch nie auf den Spuren des zivilisationsmüden Gauguin gewandelt, und auch in ihren neueren Bildern ist das Exotische eher Chriffre für die Tropenhäuser in unseren hiesigen Botanischen Gärten. „Zurück aus Kaolac“: Eine dunkelt häutige Frauenfigur, eher an eine Negerplastik aus dem Kaufhaus als an ein reales menschliches Wesen erinnernd, liegt langgestreckt vor einem weißen Gitterstäbe- oder Flechtwerkmuster im Bildhintergrund, prospekthaft dargeboten.

Das einst Unberührte hat auch im hintersten Winkel der Erde längst seine Stilisierung erfahren, logischerweise erscheinen Menschenfiguren bei Elvira Bach ausschließlich in manieristischen Posen. Welterfahrung geschieht im Rahmen von Import-Kultur, als Aneignung des Fremden, und „sich in Pose setzen“ ist auch eine Aneignung von Haltung. Insofern leistet Elvira Bach Verhaltensforschung, und die mondäne Atmosphäre in ihren Bildern hat ihr vor einigen Jahren etwas vorschnell den Ruf eingetragen, ihre Malerei drücke das unbekümmerte Lebensgefühl der „Zeitgeist“-Generation aus.

Hauptmotiv sind auch heute noch die breitschultrigen Frauengestalten, deren Gesichter durch grelles Lippenrot und windschnittige Wimpern angedeutet werden, und deren gesamte Ausstrahlung auf Dominanz und Selbstbewußtsein hin angelegt ist. Lifestyle als Synthese von Schönheit und Erfolg. Ganz entfernt bieten sich atmosphärisch, weniger stilistisch, Vergleiche mit Tamara de Lepicka an. „Arbeitszeitverkürzung“ zeigt einen großen grünen Kopf vor nächtlicher Großstadtsilhouette, und was uns heute an Metropolenmythen geläufig ist, wurde ja in der Kunst und Literatur der…

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