Relektüren · von Rainer Metzger · S. 334
Relektüren ,

Relektüren

Folge 45

Rainer Metzger

In London wurde eine Claude Monet – Ausstellung gegeben. Die Blockbuster-Begeisterung, wie sie seit den 1980ern grassiert, war bereits in vollem Gang, Die Säle waren voll, übervoll von Besuchern. Unter ihnen befand sich Ernst H. Gombrich, Sir Ernst, so viel Zeit muss sein, der Kunsthistoriker von eklatant enzyklopädischem Ausmaß. Einer der mit ihm den Raum Füllenden erkannte ihn. Und er wandte sich ihm zu, auf die Massen an Anwesenden verweisend: „Das ist alles Ihre Schuld“ (zitiert nach dem schönen Gesprächsband Die Kunst, Bilder zum Sprechen zu bringen, den Gombrich mit Didier Eribon, der gerade jetzt durch seine eigenen Erinnerungsbände Rückkehr nach Reims und Gesellschaft als Urteil viel diskutiert ist, machte; Ausgabe Stuttgart 1993, S. 141).

Alles Gombrichs Schuld. Er hatte die Kunstgeschichte unter die Leute gebracht, mit einem 1950 erstmals auf Englisch erschienenen Buch, das sich bis heute mehr als sechs Millionen mal verkauft hat. Sechzehn Auflagen gab es zu Gombrichs Lebzeiten, alle irgendwie erweitert, durchgesehen, mit Vorworten ausgestattet. Seit 1953 gibt es das Werk auf Deutsch, allein von der seit 2000 in Broschur erhältlichen Version sind bis 2015 14 Auflagen gedruckt worden, seit 2016 gibt es eine Kompaktausgabe, preiswert und mit über 400 Farbabbildungen nach wie vor von enzyklopädischem Ausmaß. Wie die Erstausgabe sind auch diese Bände bei Phaidon erschienen. Aus der Kompaktausgabe, Berlin 2016, wird im Folgenden zitiert.

Diese Relektüren haben jahrelang um Gombrich einen Bogen gemacht, wird durch sein monumentales Unterfangen doch der Zeitraum gesprengt, den sie sich vorgenommen haben. Doch spricht allein die unveränderte Nachfrage dafür,…

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