Ausstellungen: Hamburg , 2003

HAJO SCHIFF

gegenwärtig: Feldforschung

Galerie der Gegenwart, Hamburger Kunsthalle, 29.8.2003 – 25.1.2004

In einer neuen Reihe aktualisiert die Hamburger Kunsthalle ihre Sammlungen mit Neuerwerbungen und Gastkünstlern. Und so kann unter dem Titel „Feldforschung“ im Sockelgeschoss der Galerie der Gegenwart so manches gleich an Ort und Stelle bleiben: Die 1168 Keksdosen von Christian Boltanskis „Reserve – Les Suisses morts“ von 1990 oder Annette Messagers zerstörte Plüschtiere, Spruch-bestickte Leinentücher und die 250 schwarz-weiß Fotos der Arbeit „Mes Voeux (Meine Wünsche)“. Neuarrangiert wurden zwei Räume mit zwei Arbeiten von Nikolaus Lang, beide ebenso poetische wie auf den zweiten Blick auf die Zerstörung von Natur und Mensch bezogene Materialarbeiten über japanische Themen. Bereits im Kunstforum 32 von 1979 sind unter dem Titel „Künstler und andere Sammler“ alle diese drei Künstlerinnen und Künstler aufgeführt. Der Reiz der Hamburger Aktualisierung ist die Konfrontation der gesicherten Positionen dieser allesamt in den vierziger Jahren geborenen Künstler mit einer jungen Künstlergeneration die oft die vierzig Jahre noch nicht erreicht hat: Die Weltvergewisserung über sammlerische Kombinatorik scheint ungebrochen aktuell.

Und was hat es mit dem Titel auf sich? Günther Metken und Uwe M. Schneede führten in den Siebziger Jahren das kriminalistische Wort Spurensicherung in die Kunst ein, Lili Fischer das sozialwissenschaftliche Wort Feldforschung. Beides ist weniger eine künstlerische Begriffsprägung als der Versuch eine Methode zu beschreiben, die das organisierte Anhäufen von Alltagsmaterialien von einem künstlerischen Hilfsmittel zu einem eigenständigen Werk erweitert. Der große Unterschied zu institutionskritischen Analysen oder der Arbeit im sozialen Feld angewandter Kunst liegt bei diesen Künstler/Forschern in der teils mehr, teils…

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