Ausstellungen: Bonn , 2018

Georg Herold

Kunstmuseum Bonn 21.09.2017 – 07.01.2018
von Sabine Elsa Müller

Georg Herold ist siebzig geworden. Ein guter Anlass für eine Ehrung im heimischen Rheinland, von wo aus er in den 1980er Jahren mit Martin Kippenberger, Werner Büttner und Albert Oehlen eine auch gegen sich selbst schonungslose Demontage der Kunst und des Kunstbetriebs vorantrieb. Im Kölnischen Kunstverein zeigte Marianne Stockebrand zum ersten Mal seine Kaviarbilder, mit denen er damals, 1990, die Kunstwelt brüskierte. Ausgerechnet Kaviar, das wurde als sarkastischer Seitenhieb auf den Lifestyle der eigenen Kundschaft sehr wohl verstanden, und im Zweifelsfall wusste der Titel nachzuhelfen: „Geld spielt keine Rolle“. Also „Arte Ricca“ im Gegensatz zur Arte Povera, mit der ihn in einen Topf zu werfen seiner Materialvorlieben wegen – Dachlatten, Bims- oder Backsteine – sich von da an von selbst verbat. Darüber hinaus gab er zu Protokoll, dass ihn die Struktur des Kaviars an die Rasterbilder seines Lehrers Sigmar Polke erinnere. Aber Herold hat auch bei Franz Erhard Walther studiert und genau genommen (und von ganz nah betrachtet) übersetzen die Kaviarkügelchen die Rasterpunkte in die dritte Dimension. Sie verbinden die Leinwand mit der Skulptur.Herold ist immer beides, unfassbar lapidar und zugleich unverschämt raffiniert. Und er ist eben in erster Linie Bildhauer, das macht diese Ausstellung, die seine großen Frauenfiguren in den Mittelpunkt stellt, besonders deutlich. Fünf davon wurden auf langgestreckten Sockeln im zentralen Hauptsaal zu einer strengen Formation grotesk überstreckter Posen versammelt. Sie zeigen verschiedene Variationen der etwa seit 2008 entstandenen Werkgruppe. „Auf Achse“ nennt er eine erst in…


Kostenfrei anmelden und weiterlesen:

  • 3 Artikel aus dem Archiv und regelmäßig viele weitere Artikel kostenfrei lesen
  • Den KUNSTFORUM-Newsletter erhalten: Artikelempfehlungen, wöchentlichen Kunstnachrichten, besonderen Angeboten uvm, jederzeit abbestellbar
  • Exklusive Merklisten-Funktion nutzen
  • dauerhaft kostenfrei

L_Test-Zugang


von Sabine Elsa Müller

Weitere Artikel dieses Autors