Ausstellungen: Kiel · von Jens Rönnau · S. 394
Ausstellungen: Kiel , 1997

Jens Rönnau

Georg Herold: x xxxx = x? x

Stadtgalerie im Sophienhof Kiel, 19.10. – 24.11.1996

Dada lebt! So zufällig, wie der Name der Dada-Bewegung 1916 durch einen Messerstich in ein Lexikon gefunden wurde, so zufällig scheinen auch die Objekte und Objektzusammenstellungen des Georg Herold zu sein, dem die Kieler Stadtgalerie am Hauptbahnhof eine umfangreiche Ausstellung, fast möchte man sagen Retrospektive, eingerichtet hatte. Und ebenso skurril und augenzwinkernd wie „Dada“ sind auch die Schau und der Künstler selbst. Das verschmitzt zusammengekniffene Auge jedenfalls scheint eine der typischen Gesten des 1947 in Jena geborenen Mannes zu sein, der 1973 die DDR verließ – aus „Schnurmangel“, wie er selbst betont. Diese Bemerkung bleibt indes ebenso vielschichtig ausdeutbar, wie seine Welt der Objekte, die mal den Eindruck des reliquienhaft Dargebotenen erwecken, mal den des notdürftig Provisorischen, das zuweilen durchaus an jene überlebenswichtigen Provisorien der Nachkriegszeit oder anderer Notzeiten erinnert.

Da gibt es wackelige Vitrinen aus dünnen Holzleisten und Wellpappe. Wo sich sonst Glas befindet, ist dünne Kunststoffolie gespannt – Minimal-Objektträger. Sorgsam sind darin zufällige Alltagsfundstücke aufgereiht: Schrauben, Pinsel, Dosen, Bürsten usw. In anderen Vitrinen aus festeren Holzleisten und mit echtem Glas sind auf schiefe Ebenen Glasgefäße mit Wasser gestellt, das somit schräg zur Waagerechten der Gesamtvitrine steht. Man kann das Ausreizen jedweder Balance und das Zuspitzen des „normalen Verhältnisses“ wohl als eine Spezialität Herolds bezeichnen. „Normale Verhältnisse“ sind es vielleicht auch noch, wenn eine massive Glasvitrine mit frischem Obst und Gemüse bestückt wird. Kunstvoll und vereinzelt ist es dort arrangiert. Zunehmend und sinnlich wahrnehmbar gerät jene „Normalität“…

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