Titel: 54. Biennale Venedig · von Susanne Boecker · S. 251
Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Georgien

Tamara Kvesitadze. Any-Medium-Whatever. Kurator: Henk Slager. Ort: Palazzo Pisani Santa Marina, Cannaregio 6103/A

Zur Eröffnung des Georgischen Pavillons hatte Kurator Henk Slager eine illustre Runde eingeladen: Nicolas Bourriaud, Tsong-zung Chang, Chris Dercon, Kian Chow Kwok, Chus Martínez, Manu Park und John Rajchman sollten auf dem Podium über Nationalität, und Identität sowie über mögliche neue Formen menschlicher Gemeinschaft diskutieren. Fragen, die im Werk von Tamara Kvesitadze (geb. 1968) eine wichtige Rolle spielen. „Any-Medium-Whatever“ lautet der provokative Titel, mit dem die Künstlerin zu verstehen geben will, dass ihre Arbeiten in keine der gängigen Kunst-Schubladen passen. Zugleich ist dieser Titel auch Ausdruck einer Haltung, die jegliche Form von Gleichmacherei, von fixer Zuordnung zu einer inneren Logik der Gleichheit oder Ähnlichkeit ablehnt. Kvesitadze denkt nicht in nationalen, territorialen oder sprachlichen Gruppenzugehörigkeiten, sie will Stereotype auflösen und träumt von neuen Formen menschlicher Kollektivität.

Ihre Installation „F=-F“, die wie eine Trennwand mitten in der langgestreckten Eingangshalle der Palazzo Pisani aufgestellt ist, besteht aus einem einfachen Metallgestell, auf dem weiße Gesichtsmasken in fünf Reihen dicht an dicht übereinander hängen. Die sehr ähnlichen Gesichter sind eng zusammengequetscht und dadurch länglich deformiert. Wenn man genau hinschaut, kann man beobachten, wie sich immer wieder eines ein wenig ausdehnt und seine Nachbarn noch mehr zur Seite drückt. Tritt man hinter diese Installation, steht man von einer großen weißen Kugel. Diese ist mit maskenhaften Gesichtern bedeckt, die sich ab und zu bewegen. Die als lebende Skulptur konzipierte „Sphere“ ist ein Sinnbild für die widersprüchliche Kondition des Menschen, der weiß, dass er auf dieser Erde…

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