Titel: 49. Biennale von Venedig · von Michael Hübl · S. 268
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Dänemark

Henning Christiansen, Ursula Reuter Christiansen

Kommissar: Danish Contemporary Art Foundation

Kuratoren: Dorthe Abildgaard, Sanne Kofod Olsen

Ist Mick Jagger noch ein Rolling Stone? Oder anders gefragt: Muss Fluxus im Kitsch enden? Dänemark hat seinen Pavillon Ursula Reuter Christiansen und Henning Christiansen überlassen, eine Reminiszenz an die Zeiten, als Kopenhagen ein Hauptort der undogmatisch-politischen, lustbetont-anarchischen Bewegung war. 1962 wurden in der zum Kulturzentrum umgenutzten Nikolaj Kirke sechs Fluxus-Konzerte gegeben, 1964 inszenierte Wolf Vostell in der Charlottenborg das Happening „Bus Stop“, an dem neben Joseph Beuys und weiteren Akteuren auch der damals 32jährige Christiansen teilnahm, der später immer wieder die klangliche Seite der Beuys-Auftritte gestalten sollte. Christiansens Part: „Person am Magnetophongerät hat für 24 Stunden Redeverbot. Er zerbeißt ein Federbett und denkt an den Hausmeister, dann begleitet er stumm die anderen“1. Damals studierte Ursula Reuter noch Literaturwissenschaft in Marburg, bevor sie 1965 an die Kunstakademie Düsseldorf wechselte, wo sie in die Beuys-Klasse aufgenommen wurde. Vier Jahre später ging sie nach Dänemark, heiratete Christiansen, wurde Mutter und nutzte die Kunst als Medium des Feminismus. 1971 dreht sie die beiden Filme „The Executioner“ und „Three Girls and a Pig“, in dem die Auseinandersetzung mit der Rolle und den Verhaltensmustern von Frauen auch darin ausgelebt wird, dass die drei Darstellerinnen (Lene Adler Petersen, Ursula Reuter Christiansen, Elisabeth Therkelsen) ein kleines, jämmerlich quiekendes Schwein kastrieren.

Long, long ago. Diesmal flogen anlässlich einer Performance, die auf dem Dach des dänischen Pavillons stattfand, rote Rosen und tote Fische ins Auditorium. Schrille, jaulende, scheppernde Klangcluster sorgten für die akustische Untermalung eines Spektakels, das…

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