Ausstellungen: Düsseldorf · von Heinz-Norbert Jocks · S. 372
Ausstellungen: Düsseldorf , 1994

Heinz-Norbert Jocks

Igor und Svetlana Kopystiansky

»Das Original und die Kopie«

Kunsthalle Düsseldorf, 19.2. – 10.4.1994

Seit der Perestrojka von einst und dem kommerziellen Auftrieb, den neue sowjetische Kunst auf dem westlichen Markt erfährt, wächst die Zahl der Ausstellungen über den gegenwärtigen Stand der Dinge. Sowjetische Kunst schmückt sich mit berühmten Namen wie Ilya Kabakov und Erik Bulatov, kennt ihre Ja- und Neinsager, wird hofiert und abgelehnt, vorgestellt, verkauft und rezipiert, trägt selbstbewußt ihr Anders-sein zur Schau und bringt sich ins Gespräch, nicht überstürzt, eher langsam, dafür sicher und mit Maß.

Ostkunst, die wie Phönix aus der Asche stieg, reift zur festen Größe, an der kein Vorbei auf Dauer sinnvoll ist. Die Zeit ist zwar noch nicht passé, wo auch aufgeklärte Kunstrezipienten um Nachsicht für ihre Vorsicht bitten, aber eine andere längst in Sicht. So zeigte die Düsseldorfer Kunsthalle 1990 im Zyklus ihrer „Binationale“ vor allem Installationen, Kabinette, sarkastische Denkmäler und Skulpturen von 27 Russen. Ein reiches Angebot von ungleicher Qualität, mit dem Weichen gestellt wurden. Aus dem damaligen Kreis pickte sich nun Jürgen Harten, der Direktor der mit argen Etatkürzungen schikanierten Kunsthalle, zwei Künstler heraus, nämlich Svetlana und Igor Kopystiansky. Und das, um den Blick auf ein vieles in Frage stellendes Werk zu präzisieren, eine Vertiefungsabsicht von Bedeutung. Eine Atmosphäre der Langeweile, von der man im Russischen sagt, daß an ihr sogar die Fliegen krepieren, ist hier ausgeräumt und eine hohe Seh-wie Denkspannung erzeugt.

Mit Igor Kopystiansky präsentiert der Hausherr am Grabbeplatz einen subtil Modernen, der Marcel Duchamps Strategie, Alltagsgegenstände zu Kunst zu erklären, umkehrt…

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