Ausstellungen: Frankfurt a.M. · von Christian Huther · S. 393
Ausstellungen: Frankfurt a.M. , 1998

Christian Huther

Innenleben.

Die Kunst des Interieurs

Vermeer bis Kabakov

Städel, Frankfurt, 24.9.1998 – 10.1.1999

Frauen beherrschen die Räume, die Männer glänzen meist durch Abwesenheit. Denn das Interieur, also die Darstellung von Innenräumen, ist eine weibliche Domäne. Hier ist die Frau die Hauptdarstellerin. Denn die Frau ist dazu da, das Haus zu „beseelen“, der Mann hat draußen zu wirken. So die jahrhundertelang verbreitete Vorstellung. Sie findet sich auch in vielen der rund 140 Werke wieder, die derzeit im Frankfurter Städel zu der Ausstellung „Innenleben. Die Kunst des Interieurs“ aus vielen großen Sammlungen Europas und Amerikas versammelt sind. Verantwortlich für die spektakuläre Schau, wohl einer der wichtigsten Ereignisse dieses Spätherbstes, zeichnet Städel- Kuratorin Sabine Schulze, die zuvor in der Frankfurter Schirn tätig war und dort unter anderem die Ausstellungen über „Leselust“ und „Goethe und die Kunst“ betreut hatte. Den Titel „Innenleben“ entlieh man übrigens von Woody Allens 1978 herausgekommenem Film, der familiäres Seelenleben anhand von Innenräumen eines Hauses darstellt.

Zwei Stränge hat die Frankfurter Schau im Auge, die Ikonographie mit den typischen Interieur-Utensilien wie Pantoffel, Kerze oder Buch und die emanzipatorische, rein auf Farbe und Licht gerichtete Malerei. Allerdings will die vom 17. bis 20. Jahrhundert reichende Schau keineswegs eine detaillierte Gattungsgeschichte des Interieurs schreiben, sondern den Stimmungsgehalt des Themas herausarbeiten. Immerhin ist, so Sabine Schulze, „der Blick in ein Zimmer stets auch der Blick in die Seele eines Bewohners“, die psychischen Regungen, Stimmungen und Emotionen schlagen sich in den Räumen nieder.

Nichts demonstriert dies deutlicher als Georg Friedrich Kerstings Bild „Am Stickrahmen“ (1827), das als eine Ikone…

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