Monografie , 1998

Doris von Drathen

Himmelsbegier eben doch

VON »AUSSTELLUNGSZEICHEN« UND ANDEREN BILDERN

ZU DEN »BELEUCHTUNGEN« VON MICHEL VERJUX

Als Robert Fludd zu Anfang des 17. Jahrhunderts seine Kosmogonie1 mit einem schwarzen Quadrat eröffnete, sprach niemand von einem abstrakten Bild, sondern jedem war klar, damit war „et sic in infinitum“, wie es an den Rändern der in Kupfer gestochenen schwarzen Fläche stand, ein Bild für das Nichts, für die unendliche Leere gemeint, mit der die „creatio ex nihilo“ begann. Ebensowenig – um das Register zu wechseln – würden die Leser von Lewis Carrolls populärer Ballade „The Hunting of the Snark“ auf den Gedanken kommen, jenes weiße Quadrat, das dort auf den ersten Seiten erscheint, könnte etwas anderes sein, als jenes Bild für eine „vollkommen weiße Landkarte“, von der Carroll erzählt, da die erst Reise begann, sollte sie ganz frei sein für neue Eintragungen.2

Warum nun, so ist zu fragen, soll man heute den Kommentaren eines Künstlers folgen, der wie Michel Verjux weiße Lichtquadrate und -kreisflächen auf eine Wand projiziert, und behauptet, sie seien nichts anderes als ein „signe d´exposition“, ein „Ausstellungszeichen“, sinn- und bedeutungsentleert, nichts weiter als ein „acte de montrer“, eine deiktische Geste? Und warum, so ist weiter zu fragen, würde es Künstlern aus der zwanzig Jahre älteren Generation, die ähnlich mit einer Materie an sich arbeiten, wie etwa Max Neuhaus mit Klang, James Turrell mit Licht, oder Ulrich Rückriem mit Stein, niemals in den Sinn kommen, ihre Arbeit auf ein gezeigtes Zeichen zu reduzieren?

Als würde Michel Verjux vor dem eigentlichen, nämlich vor der Aura, vor…

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