Titel: Lebenskunst als Real Life · von Regina Behrendt · S. 211
Titel: Lebenskunst als Real Life , 1998

8. Ästhetik des Subjekts

Wie es wirklich um Berufswechsel, biographische Brüche, Bindungslosigkeit, Hybridität, Selbstverwirklichung und LEBENskunst bei den Lohnarbeiter/innen bestellt ist, hat Marx im „Kapital“ beschrieben: „Die Natur der großen Industrie bedingt Wechsel der Arbeit, Fluß der Funktion, allseitige Beweglichkeit des Arbeiters. Man hat gesehen, wie dies alle Ruhe, Festigkeit, Sicherheit der LEBENslage des Arbeiters aufhebt, ihm mit dem Arbeitsmittel beständig das LEBENsmittel aus der Hand zu schlagen und mit seiner Teilfunktion ihn selbst Überflüssig zu machen droht.“ … Der Unterschied zwischen Marx und den Propheten der Flexibilisierung liegt darin, daß Marx die realen Leiden benannt hat, die damit einhergehen, daß er den Widerstand der Betroffenen vor „rückwärtsgewandten“ Schlußfolgerungen bewahren wollte, ihm statt dessen eine avantgardistische Rolle zuwies und in der Auflösung der Identifikation mit dem „Werk“ die Möglichkeit einer revolutionären „Aufhebung“ aller Trennungen sah. Auch die ästhetische Erfahrung würde sich dabei ändern, weil Rezeption und Produktion von Kunstwerken dann zusammenfallen könnten.

Regina Behrendt & Günther Jacob

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