Monografie · von Martin Pesch · S. 264
Monografie , 1998

Martin Pesch

Sehnsucht und Skepsis

DIE BILDER, SKULPTUREN UND RAUMINSTALLATIONEN VON GERT RAPPENECKER

Die künstlerische Arbeit von Gert Rappenecker ist über die verschiedenen Werkgruppen hinweg geprägt vom Zweifel an der Möglichkeit, zu einem authentischen Ausdruck zu gelangen. Dies im Hinterkopf ,steht man angesichts von Rappeneckers bisherigem Werk vor dem Paradox, daß es geprägt ist von den klassischen Ausdrucksformen Malerei und Bildhauerei, jenen Gattungen, die kunstgeschichtlich mit der Verkörperung jeweils individueller Handschrift und dem Ausdruck individueller Befindlichkeit verbunden sind.

Die Beobachtung, daß sogar Malewitschs „Schwarzes Quadrat“ bedingt ist durch subjektive Pinselführung einerseits und die Materialität der Leinwand andererseits führte Rappenecker zu einer Fokussierung dieser Aspekte. Zuerst geschah dies in einer Arbeit „Ohne Titel“ (1989), bei der er einen Stein in Aluminium abgegoß und auf den Abguß mit Lack ein schwarzes Quadrat malte. Ein starker Bezug zu Rodtschenko und damit zu einem weiteren Vertreter des russischen Konstruktivismus findet sich ab 1990 in der Serie der „Triptychen“. Auf eine Metallplatte trägt Rappenecker Farbe so auf, daß ein expressiv-abstraktes Bild entsteht; von diesem „Original“ werden drei Aluminiumabgüsse hergestellt, die jeweils rot, blau und gelb lackiert werden. Durch die Verwendung von Autolack wird der Aspekt der im Abguß schon liegenden Standardisierung noch betont. Unterschiedliche Ausführungen der „Triptychen“ beruhen auf der Benutzung von Autolacken verschiedener Typen; die Primärfarben bleiben bestehen, erhalten aber einen anderen Ton. Die Abweichung, die Rappenecker hier vornimmt, ist also nicht durch die Palette des Malers verursacht, sondern durch den Standard des jeweiligen Farbtyps, der auf tausenden von Automobilen derselbe zu sein hat.

Die Spannungen, die durch unterschiedlich…

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