Magazin: Publikationen , 1999

Intellektuelles und soziales Kapital

Kunsttheorie im 20. Jahrhundert

Der Stellenwert von Kunsttheorie im Feld der Kunst als einer unbezweifelbar praktischen Angelegenheit, ist vermutlich immer schon genauso umstritten wie jedes andere Kriterium, das in ihm vorgebracht werden kann. Und ohne eine komplexe Vielfalt von Kriterien ist sicher unvorstellbar. Auch die vermeintlich selbstverständlichste und naheliegendste Auffassung ästhetischer Qualität(en) stößt irgendwo auf Ablehnung, und motiviert daher kognitive Prozesse, welcher Art auch immer. Aber natürlich geht es dabei kaum um die systematische Feststellung absoluter Erkenntnisse. Immer war Kunst auch und gerade ein Korrektiv wissenschaftlicher wie auch normativer Generalisierungen, vor allem dann, wenn sie mit der Zumutung unantastbarer Dogmen auftraten. Im 20. Jahrhundert lassen sich die verschiedenen Standpunkte, die diesbezüglich eingenommen werden können, in ihren jeweils radikalsten Zuspitzungen finden. Und sie alle dürften besser zu verstehen sein, wenn man auch die gedanklichen Hintergründe kennt, wie sie nicht nur in öffentlichen Manifesten – sondern etwa auch von weniger auskunftsfreudigen Künstlern in Briefen – formuliert worden sind. Vieles von dem, was den Wert einzelner künstlerischer Äußerungen ausmacht, gewinnt seine volle Bedeutung zudem erst aus dem Kontext der differenten Positionen, auf die es sich bezieht. Keine Frage also, daß es für das Verständnis moderner und aktueller Kunst vorteilhaft ist, neben den verschiedenen Werken auch mit ihrer theoretischen Umgebung gründlich vertraut zu sein. Der Zugang dazu ist aber nicht gerade einfach zu haben. Wer nicht in der Nähe einer gut ausgestatteten Spezialbibliothek lebt und viel Zeit hat, ist auf zufällige Gelegenheiten angewiesen. Eine gute Zusammenstellung von Texten, die das ganze Feld…

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von Michael Hauffen

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