Ausstellungen: München , 2013

Jolanda Drexler

Ivan Kožaric

»Freiheit ist ein seltener Vogel«

Haus der Kunst, München, 21.6. – 22.9.2013

Ivan Kožarić besichtigt gutgelaunt seine bislang größte außerhalb seines Heimatlandes Kroatien gezeigte Überblicksausstellung über nunmehr 60 Schaffensjahre: Der bemerkenswert vitale 92-jährige Künstler erscheint in den hehren Hallen des Hauses der Kunst in Safarishorts und orange-gelb kariertem Hemd – welch hoffnungsfrohes Bild fortdauernder Schöpferkraft und Freiheit, die leitmotivisch über seinem ganzen Schaffen wie auch Leben steht!

„Ich bin kein Künstler, aber dafür ein schlechter Bildhauer. Ich bin durch Forschen dahin gelangt, sagen zu können, dass ich der Kunst auf der Spur bin“, so charakterisiert sich Kožarić selbst, einer der einflussreichsten Vertreter der osteuropäischen Nachkriegs-Avantgarde. Sein ungemein vielschichtiges Werk, das laut Kuratorin Patrizia Dander „in vielen Punkten Parallelen zu und sogar Vorgriffe auf die Anliegen internationaler konzeptueller Strömungen aufweist“, lässt sich in keine kunsthistorischen Schubläden pressen: Es ist anarchisch vital, aberwitzig einfallsreich, subversiv, unkonventionell und zugleich sensibel, in hohem Maße reflektiert und künstlerisch folgerichtig. Oberste Priorität hat darin die Offenheit, welche Widersprüche, ständige Veränderung, ja Zerstörung impliziert. In einem Interview (1992) mit Ivica Župan erklärt Kožarić: „Ich habe meine eigene Vergangenheit, die eigene Geschichte, abgeworfen als ein mögliches Fundament für neue Versuche und ein neues Erproben der eigenen Kreativität; abgeworfen habe ich aber auch jegliche Form des Fundamentalen, denn jeder neue Tag bringt neue Möglichkeiten.“ Mit einer solchen Praxis der „anarchischen schöpferischen Diskontinuität“, wie sie Želmir Koščević dem Künstler attestiert, lassen sich selbstredend weder gesellschaftliche noch ökonomische Erfolge ernten.

Lässt sich nun ein Werk, für dessen Schöpfer „Kunst immer entgleitet“, eine…

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von Jolanda Drexler

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