Ausstellungen: Düsseldorf · von Heinz-Norbert Jocks · S. 378
Ausstellungen: Düsseldorf , 1994

Heinz-Norbert Jocks

Johannes Brus

»Erstarrtes und Mimetisches«

Galerie Gmyrek, Düsseldorf, 15.12.1993 – 28.2.1994

Seltsame Skulpturen aus dem Geist einer individuellen Mythologie lösen in der Galerie Gmyrek einen prähistorischen Schauer aus. Wie in einem Zoo, in dem die Zeit stillsteht, gleitet unser Blick an Tiergruppen vorbei. Obgleich sofort identifizierbar, da sie unseren Planeten heute noch bewohnen, scheinen sie gleichwohl einer anderen Zeit entsprungen.

Ein tonnenschweres Nashorn streckt uns seinen Kopf mit hochstehenden Ohren entgegen. Bewegungslose Adler, inmitten einer Wüste aus losen Felssteinen, haben ihr Reich gleich am Eingang aufgeschlagen, während in den unteren Räumen ein großes auf ein kleines Pferd aufpaßt.

Johannes Brus, der in seiner jüngsten Ausstellung wieder einmal sein künstlerisches Gleichgewicht zwischen Fotografie und Skulptur sucht, aber nicht findet, verfolgt mit Verve das Ziel einer mimetischen Ästhetik. Er bedient sich dabei der Bilder unseres kollektiven Gedächtnisses und pocht auf Ähnlichkeiten, ohne sich auf pure Äußerlichkeiten zu beschränken. Er ist daran interessiert, daß das Gestern im Jetzt aufblitzt. Indem er in unserer Erinnerung abgelagerte Bildvorstellungen mit heutigen versöhnt, überrascht er uns mit einem Netz von Korrespondenzen. Diese sind geschwängert mit Erinnerungen, die so dicht heranfluten, daß sie nicht aus diesem Leben, sondern anderswo herzustammen scheinen.

Dabei hat das Prinzip Ähnlichkeit eine philosophische Relevanz, die Brus mit Walter Benjamin und dessen epochemachendem „Passagen-Werk“ verbindet. Wenn wir sagen, das Äußere eines Nashorns sei einem anderen ähnlich, so heißt das, daß gewisse Züge dieser zweiten Erscheinung in der ersten auftauchen, ohne daß das erste aufhört zu sein, was es war. Das ist, womit uns Brus in gewisser Hinsicht traktiert, sobald…

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