Ausstellungen: Bonn · von Christiane Fricke · S. 390
Ausstellungen: Bonn , 2001

Christiane Fricke

John Bock

»Im Dilemma der ExistoEntropie«

Bonner Kunstverein, 14.2. – 15.4.2001

Wer keine Angst vor dem Unabgeschlossenen, vor Unordnung und Irritation in der Kunst hat und sich für opulente Performances mit bizarren Hinterlassenschaften erwärmen kann, der ist „Im Dilemma der ExistoEntropie“ gut aufgehoben. Erfinder dieses eigentümlichen, zum Ausstellungstitel erklärten Seinszustandes ist der Berliner Künstler John Bock, Jahrgang 1965 und seit wenigen Jahren bekannt für seine anarchisch-spielerischen Auftritte. Zurzeit gastiert er im Bonner Kunstverein mit zwei Installationen: einer langen gebogenen, aus rotem Tuch genähten Passage, an deren Ende eine sprechende Peperoni wartet, und einem vollgestopften Archiv.

Neugierige Besucher betreten zunächst den roten Gang, bringen mit der Luft, die sie vor sich herschieben, den Stoff in Wallung und stoßen schließlich nach einer nicht enden wollenden Wegstrecke auf einen weiß gedeckten Tisch. Dort reckt sich die rote Peperoni empor. Sie gibt, gesteuert von einer Lichtschranke, krude Aphorismen zum Besten und bewegt sich dabei wie ein sprechender Finger oder ein schon etwas eingeschrumpelter, kleiner Phallus.

Wer sich nun entschließt, „alles ganz ruhig“ zu überdenken, ist schlecht bedient. Er verstrickt sich womöglich in die intellektuelle Durchdringung von Sätzen wie „das Optimum heißt, absolut sein in der Schwebe“ und ist für all den folgenden, von philosophischen, wirtschaftswissenschaftlichen und kunsttheoretischen Anspielungen inspirierten Blödsinn nicht mehr empfänglich. Sinnvoller ist es denn auch, sich an die Aufforderung zu halten: „Denken sie jetzt bitte reziprok“.

Dann nämlich kann man sich auf so schöne Vorstellungsgebilde wie „die Restriktion der Tiefendepression“ einlassen und ist bereit für den zweiten Teil der Ausstellung, das Archiv. Eingerichtet hat es der…

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