Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Kroatien

Julije Knifer

Kommissar: Zvonko Makovic

Stellvertretender Kommissar: Dean Jokanovic Toumin

Als man in den 70er- und 80er-Jahren vermehrt daran ging, den wirtschaftlichen Strukturwandel für die Kunst zu nutzen, indem man verlassene Produktionsstätten, leer stehende Werkshallen oder andere inzwischen funktionslose Orte der Industriegesellschaft für Ausstellungen oder Installationen nutzte, stellte sich nicht selten das Problem, dass die historische, durch Arbeit und Leistung aufgeladene Umgebung stärker war als die Kunst. Die Präsenz des Abwesenden überwältigt die Manifestationen der Gegenwart. Einer solchen, alles umfangenden Dominanz erliegen die Bilder des Malers und Zeichners Julije Kniper in der Fondazione Querini Stampalia, die vereinzelt bereits als Außenstelle der Biennale diente und die in diesem Jahr Kroatien zur Verfügung steht. Die Kunst Knifers ist hier allerdings nicht mit den rüden Reizen angegammelter Fabrikrudimente konfrontiert, sondern tritt in Konkurrenz mit der Architektur von Carlo Scarpa, der nachgerade skrupulös bestrebt war, auf Basis der Moderne dem historischen Kontext gerecht zu werden, wobei er die Eigenheiten der Epochen unmissverständlich gegeneinander absetzte und zugleich ein sympathetisches Verhältnis zu den historischen Bauten wahrte. Es ist Ausdruck einer skeptischen Haltung gegenüber einem uniformistischen Modernismus, den Scarpa nicht zuletzt mit den Möglichkeiten des traditionellen Handwerks unterläuft. In der Fondazione Querini Stampalia hat Scarpa diese Verbindung aus subtiler Einlässlichkeit und dezidierter Eigenständigkeit in besonders reichem Maße entfaltet, hat er mit raffinierten Öffnungen, großzügigen Flächen in eleganten Materialien und intimen Versprüngen, die sich bis in die hintersten Ecken eines kleinen Gartens fortsetzen, den Charakter seiner Geburtstadt in eine geometrisch-exakte Formensprache übertragen. Mit ihr nimmt die Kunst Knifers eine seltsame Korrespondenz…

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von Michael Hübl

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