Ausstellungen: Ulm · von Johannes Meinhardt · S. 412
Ausstellungen: Ulm , 2001

Johannes Meinhardt

Kiki Smith

»small sculptures and large drawings«

Ulmer Museum, 7.4. – 4.6.2001

Die New Yorker Künstlerin Kiki Smith (geboren 1954) hatte ihre erste Einzelausstellung 1982 in The Kitchen und wurde ziemlich schnell bekannt mit ihren weiblichen Körperskulpturen (aus bearbeiteten Abgüssen). Vor allem in einer Reihe von Ausstellungen, die psychische (also immer auch leibliche) Objekte behandelten (die wichtigste war ‚Abject Art‘ im Whitney Museum, 1993), waren ihre Körperabgüsse, die häufig die (immer zugleich auch libidinösen) Ströme der Körperflüssigkeiten (und selbst die leibliche Generation von Nachkommen gehört in diesen Bereich) thematisierten, wichtige Bestandteile.

Das Ulmer Museum zeigt nun 27 Arbeiten von ihr, die fast alle in den letzten zwei Jahren produziert worden sind; darunter ein ganz neuer Typ von Arbeiten, eine umfangreiche Gruppe von großen Zeichnungen in Tinte auf Nepalpapier. Die meisten dieser neuen Arbeiten (neben den Zeichnungen und Radierungen sind das Plastiken aus Bronze, Keramik, Glas, Pappmaché, Gips) arbeiten mit Sujets, die auf ziemlich überraschende Weise an eine späte Phase der frühen Moderne erinnern, in der – auf eine mit Kiki Smith durchaus vergleichbare Weise – die Beschäftigung mit psychischen und mythischen Themen und Problemlagen alle kunstimmanenten Problemstellungen weitgehend verdrängt hatte: den Symbolismus und jene Bereiche des Jugendstils, die mit ihm zusammenhingen. Wenn beispielsweise die Plastik „Dark“ von 1997, eine kniende Pappmachéfigur in einem dunklen Indigoblau, die ihre offenen Hände an den herabhängenden Armen nach vorne wendet, an Skulpturen von George Minne erinnert, ist das kein Zufall. Die früheren Themen psychisch-leiblicher Erfahrungen, die in einem weiten Sinne des Wortes existentielle Erfahrungen waren, werden zunehmend…

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