Ausstellungen: Karlsruhe · von Michael Hübl · S. 318
Ausstellungen: Karlsruhe , 2003

MICHAEL HÜBL

Klaas Kloosterboer

Badischer Kunstverein Karlsruhe, 13.9. – 16.11.2003

Das Cover des Katalogs gibt bereits entscheidende Hinweise. Oben in schnörkelloser Groteskschrift der Name des Künstlers: Klaas Kloosterboer. Dann das Leitmotiv, dessen Druckvorlage offenbar handschriftlich mit weichem Stift notiert wurde: „shivering emotions + feverish feelings“. Die Farbe: ein giftgrelles Orange, wie es nur die chemische Industrie hervorbringen kann. Subjektive, gefühlsabhängige Faktoren begegnen rational-objektiven Parametern. Die Überlagerung gegenläufiger Wahrnehmungsprozesse und divergierender Sachverhalte kennzeichnet die Arbeitsweise des Niederländers, der zwischen 1979 und 1983 an der Rijksakademie van Beeldende Kunsten, Amsterdam studierte und der nun im Badischen Kunstverein seine erste deutsche Einzelausstellung präsentiert. Schon beim Durchblättern des Begleitbuchs werden die haptischen und visuellen Sensorien auf Achterbahnfahrt geschickt: Hochglanzpapier wechselt mit matten Sorten, auf glatte Oberflächen folgen leinenartige Papierstrukturen, weiße oder stumpfgraue Passagen werden unterbrochen von fluoreszierend hellen monochromen Seiten, deren plötzliches Auftreten wohl ähnlich irritierende Effekte auslöst, wie sie der Mensch in Platons Höhlengleichnis erlebt, als er, von seinen Fesseln befreit, das Feuer entdeckt, das hinter ihm und seinen Mitgefangenen lodert. Das ungewohnte Licht sticht in die Augen und verhindert zu erkennen, was da los ist. Soviel immerhin wird bald bewusst: Dass das, was bislang für Realität gehalten wurde, lediglich Projektion war. Die Bilder, auf die er und seine Mitgefangenen gestarrt hatten, waren die Schemen von Objekten, die hinter ihnen vorbeigetragen wurden.

Die Situation in der Höhle gleicht dem primitiven Prototyp eines Lichtspieltheaters. Und wie Platon greift auch Kloosterboer auf eine Vorform des Kinos zurück, um den Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Erkenntnis zu problematisieren. Im Badischen Kunstverein…

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