Ausstellungen: Wien , 2002

RAINER METZGER

„Lieber Maler, male mir…“
Radikaler Realismus nach Picabia

Kunsthalle Wien, 20.9.2002 – 1.1.2003

Kunst, so hat Jonathan Culler es vor zwanzig Jahren ganz seriös auf den Punkt gebracht, funktioniert wie ein Witz. Wenn er schlecht ist, kann man über ihn nicht lachen, und wenn es sich noch so vornimmt; ist er gut, dann lacht man, und sei man noch so dagegen gestimmt. Bei der Autorisierung von Dingen zu Kunst läuft es, glaubt man Culler, genauso. „Lieber Maler, male mir…“ ist gut Kippenbergerisch eine Ausstellung betitelt, bei der man das Exempel auf die Probe dazu bekommt. Nachdem sie im Centre Pompidou zu sehen war, macht sie im Herbst in der Kunsthalle Wien Station, um daraufhin an die Schirn zu kommen. Ausgehend von Picabia und unter Berücksichtigung des derben Diktums vom „radikalen Realismus“ im Untertitel führt sie vor, was man unter den Bedingungen der weit fortgeschrittenen Moderne mit Scherz, Satire, Ironie und tieferer Bedeutung meinen könnte.

Wenn eine solche Ausstellung gelungen ist, dann hat ein Text über sie ein Problem. Dieses Problem, nämlich programmatisch die Qualitäten des Geistreichen, Verschobenen und im besten Sinn Halbseriösen zu beschreiben, um sie in dieser Annäherung gerade unwirksam zu machen, hatte bereits Sigmund Freud. Sein 1905 publizierter Essay „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“ behilft sich mit der unermüdlichen Auf- und Erzählung von Scherzchen und Geschichtchen, von Anekdoten und Zoten, um dann allerdings auf eine sehr brauchbare Begrifflichkeit zuzusteuern. Freud differenziert in seinem Aufsatz drei Lagen der Lustigkeit heraus, den Humor, die Komik und den Witz, indem er…

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von Rainer Metzger

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