Ausstellungen: Nürnberg · von Martin Blättner · S. 357
Ausstellungen: Nürnberg , 2002

MARTIN BLÄTTNER

Armando

neues museum Nürnberg, 20.9. – 17.11.2002

„Diese Schönheit nötigt mich, das ,Böse‘ in die schuldlose, die amorlische Domäne der Kunst zu überführen. Und sieh: Das Böse ist nicht mehr das Böse, es ist Kunst“.
(Armando)

Am Ort des Verbrechens herrscht Schwermut, die Erinnerung gebiert Melancholie und Ungeheuer. Der Zaun, das Gestrüpp oder die Baumgruppe bezeugen Taten, die durch den Vorgang der Malerei wieder in das Bewusstsein gerückt werden. Düster entstellte Schädel und Tierkadaver reflektieren die Fratzen des Bösen – nach Nietzsche wird das Entsetzliche durch die Kunst erhaben gebändigt. Armandos Kunst lebt vom steten Versuch, die Schreckenserlebnisse des zweiten Weltkriegs zu verarbeiten: den Überfall deutscher Soldaten in Holland und die Errichtung des KZ-Lagers Amersfoort quasi vor seiner Haustür. Der Abenteuerspielplatz seiner Jugend wurde zur Todeszone mit Wachtürmen und Stacheldraht.

Sowohl im literarischen wie künstlerischen Oeuvre Armandos geht es um die Thematik von Gewalt und Krieg, um die Rolle von Tätern und Opfern oder um die unmoralische Faszination der Gewalt und um einen Kunstbegriff, der jenseits von Gut und Böse angesiedelt ist. Seine großformatigen – oft auch als „peinture criminelle“ betitelten – Gemälde behandeln immer wieder das Motiv einer „schuldigen Landschaft“, einer Natur, der Gewalt widerfahren ist und die ihre Unschuld verloren hat. Schwarze Linien und Flächen graben sich wie die Spuren der Täter in die schneeweißen Lichtzonen, verdunkeln als Schatten den Bildgrund oder dramatisieren als heftige Malgesten den Widerstreit von Hell und Dunkel oder stellen Bedrohung und Kampf auf rauchenden Schlachtfeldern dar. Mit vielen Graunuancen und wenigen Farbelementen beruhigt sich der Sturm…

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