Ausstellungen: Köln · von Uta M. Reindl · S. 358
Ausstellungen: Köln , 2000

Uta M. Reindl

»lobreden auf eros«

Sam Ashley, Jens Brand, Judy Dunaway, Bettina Gruber und hans w. koch

Moltkerei Werkstatt, Köln, 23. – 30.11.2000

Fürwahr ein vielversprechendes Symposion, das sich den „lobreden auf eros“ widmet. Dazu lud der Kölner Experimentalmusiker hans w. koch fünf Künstler in den traditionsreichen Kölner Performance-Raum. Inspiriert hatte ihn Platons Schrift mit dem Titel „Symposion“, in dem die gleichnamige Veranstaltung eine Reihe von feuchtfröhlichen Gastgelagen meint, bis eines Tages eine mächtige Katerstimmung die Teilnehmer zu geistigen Genüssen trieb und diese mit „Lobreden auf Eros“ wetteiferten.

Auf dem Kölner Symposion wurden kaum Reden gehalten, dafür überraschten die vielseitigen Erosdeutungen. So führte die amerikanischen Performance-Künstlerin Judy Dunaway zwei Riesen-Ballons als klingende Fetische vor, indem sie laufende Walkmen oder vibrierende Dildos ganz sanft an der dicken Außenhaut entlang gleiten ließ. Nach dem in seiner kühlen Choreografie fast an Matthew Barney erinnernden „Duet for Jumbo-Balloons“ hinterließ die für ihre Musik-Kompositionen mit Ballon international renommierte Künstlerin eine Arbeit mit kleineren, auch transparenten Ballons, in denen Dildos – sofern angeschaltet – den Raum mit einem weichen Dröhnen ausfüllten.

Sam Ashley hielt dann tatsächlich eine Art Lobrede auf den zeitgenössisch verstanden Eros. Mit schwerem Akzent las der Amerikaner einen ohnehin kryptischen Text vom Monitor eines Laptops vor. Dort stellte sich an einer Stelle die Frage nach dem Sinn der Liebe, was sodann eine Gesellschaftsdame mit der 0190er Nummer erläuterte, indem sie in Sprechpausen des laut übertragenen Telefongesprächs anfänglich säuselnd appellierend, später pathetisch Satzfragmente über Telefonsex rezitierend ihren fernmündlichen Auftritt gab. Ashley, der sich als Tranceforscher bezeichnet, hinterließ nach der…

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