Magazin: Museen & Institutionen · von Cornelia Gockel · S. 484
Magazin: Museen & Institutionen , 2001

CORNELIA GOCKEL

Lothar-Günther Buchheims »Museum der Phantasie«

Es ist eigentlich ein kleines Wunder, denn so richtig hat niemand mehr an die Realisierung der hochfliegenden Museumsträume des Schriftstellers Lothar-Günther Buchheim in Bayern geglaubt. Seine Expressionistensammlung, die auf 250 Millionen Mark geschätzt wird, hatte zwar schon in einigen anderen Städten Begehrlichkeiten geweckt. Doch Buchheim bestand darauf, dass zusammen mit den Gemälden und Graphiken von Heckel, Pechstein, Schmidt-Rottluff, Kirchner und anderen großartigen Künstlern des Expressionismus auch gleichzeitig seine umstrittenen Nebensammlungen der Volks- und Gebrauchskunst gezeigt werden müssten. Ein „Museum der Phantasie“ schwebte ihm, ein Makrokosmos, der die Verflechtungen eines Sammlerlebens den Menschen näher bringt. „Ich höre mich nicht gern ‚Sammler‘ nennen, bin ich doch eher ein Zusammenträger und Wiederausbreiter, recht eigentlich ein Kunst-Demonstrator mit missionarischem Tick“, sagt Buchheim von sich selbst: „Ich will Ideen und Vorstellungen verdeutlichen anhand meiner Bilder und Sammlungsstücke – zum Beispiel die, dass Kunst nicht im Vakuum entsteht, sondern immer aus Kunst kommt.“ Als sich schließlich der Bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber für das Projekt einsetzte, rückte die Realisierung des Museum Buchheim in greifbare Nähe. Den 1996 ausgeschriebenen Wettbewerb für das Grundstück der Feldafinger Maffei-Villa gewann das Stuttgarter Architekturbüro Behnisch. Der Entwurf sah einen mehrgliederigen Gebäudekomplex, mit Terrassen und Balkonen vor, der an einen Ozeandampfer erinnert. Doch in Feldafing, dem Wohnort des streitbaren Dichters, konnten sich die Anwohner nicht mit seinen Plänen anfreunden. Ein Bürgerbegehren verhinderte schließlich, dass der vom Büro Behnisch geplante und von Buchheim favorisierte Entwurf für ein „Museum der Phantasie“ in Feldafing gebaut wurde. Aber der Bürgermeister von Bernried…

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