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Ausstellungen: München · von Michael Hauffen · S. 366 - 367
Ausstellungen: München , 2001

MICHAEL HAUFFEN
Martin Wöhrl

„Update01“
FOE156, München, 7.9. – 14.10.2001

Bingo nannte Gordon Matta-Clark eine Arbeit, die im Unterschied zu seinen rigorosen Aktionen, bei denen er ganze Gebäude durchlöcherte, aufbrach oder zersägte, handlich genug ist, um in Galerien und Museen ausgestellt zu werden. Es handelt sich um drei zusammenhängende Fragmente der Fassade eines durchschnittlichen Wohnhauses, die dort herausgesägt und dann an anderem Ort als Kunstobjekt ausgestellt wurden. Die veränderte Anordnung dieser drei Teile, die nun nebeneinander stehen, greift bekannte Muster ästhetischer Inszenierung, wie serielle Reihungen oder konstruktive Kombinationen auf, konfrontiert aber deren leeren Formalismus mit der rauen Wirklichkeit von Grenzen setzenden Mauern und ihrer Zerstörung.

Vielleicht ist für Martin Wöhrl Matta-Clark so etwas wie ein Idol, aber wenn er sich entschieden hat, Bingo in seiner Arbeit update.01dem Prozess einer Reformulierung zu unterwerfen, dann liegen dem nicht nur Motive der Reverenz, sondern auch skeptische Beobachtungen des Kunstgeschehens zugrunde. Vor allem geht es darum, jene Wendung nachzuvollziehen, die darin besteht, dass ein anfänglich nicht nur anarchischer und destruktiver, sondern auch explizit sozialkritischer Impuls, Stein gewordene Konventionen aufzubrechen, zu einem Objekt gerinnt, das im Kunstsystem zelebriert, konserviert und vermarktet werden kann, weil es den dort vorherrschenden Regeln formalistischer Kontemplation entgegenkommt.

Matta-Clark ging es um eine radikale Kritik der Errungenschaften moderner Alltagsorganisation. Seine Einschnitte und Durchbrüche in Gebäuden stellen den Versuch dar, Sensibilität für die vielen anderen Möglichkeiten zu wecken, die von den Kalkülen architektonischer Abschottung ausgeschlossen werden. Mauern und Dachkonstruktionen dienen in den Regionen des Wohlstands schon lange nicht mehr allein zur Abschirmung gegen Naturgewalten, sondern vor…


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