Basel
Matthew Angelo Harrison
Proto
Kunsthalle Basel 04.06.– 26.09.2021
von Max Glauner
Im Journalistenjargon gesprochen: die Kunsthalle Basel hat mit der Ausstellung Matthew Angelo Harrison. Proto wieder einen Scoop, vulgo einen Knaller gelandet. Mit dem 32-jährigen Schwarzen U.S.-Amerikaner Matthew Angelo Harrison aus Detroit holt sie erneut einen jungen Künstler erstmals in einer institutionellen Einzelausstellung nach Europa.
Für den Shootingstar ein Booster sondergleichen. Denn die Ausstellung kommt der Corona-Volatilitäten zum Trotz zeitgleich zur fulminanten Schau der Schwarzen Starkünstlerin Kara Walker im Kunstmuseum (KUNSTFORUM, Bd. 276) und überschneidet sich auch mit der in den September verlegten Art Basel. Für viele sicher eine „breathtaking“ Entdeckung, denn Harrisons technoide Skulpturen, Assemblagen aus traditionellen afrikanischen Artefakten und Überbleibseln U.S.-amerikanischer Industriekultur, die er in partiell eingefräste oder zerschnittene Giessharzblöcke verewigt, oder per 3D-Printer als Unikate reproduziert, geben den aktuellen Diskursen um Ökologien sozialer und ökonomischer Differenz, (Nicht-)Identität, der People-of-Colour-Bewegung und Postkolonialismus-Debatten eine verblüffend gültige Form und Stoff zur Diskussion. Schön anzusehen sind sie allemal und ein leichter Schauer bleibt nicht aus.
„This show is about you, not about me“, lautet die forsche Devise Harrisons; sie wird im Video-Clip zur Ausstellung prominent vorangestellt. An dieser Behauptung wird sich der Künstler messen müssen. Trifft sie mehr als einen wohlfeilen Topos poststrukturalistischer Rezeptionsästhetik? Anders gefragt, inwiefern sind die Betrachterinnen von Harrisons Objekten betroffen? Wodurch sind auf sich zurückgeworfen, statt dass die Objekte vom Kunstwillen des Autors oder historistisch vor sich her monologisieren?
Um die Antwort vorwegzunehmen, Harrison gelingt die Umkehr vom Objekt zum Betrachter auf faszinierende Weise. Einen ersten „Proof“ gibt das am Eingang zum…
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