Ausstellungen: Köln , 2001

Jürgen Raap

Me, Myself and I

Urs Lüthi, Tracy Moffat, Yasumasa Morimura, Cindy Sherman, Arnulf Rainer, Maryam Jafri

Buchmann Galerie Köln, 4.5. –30.6.2001

Die Ausstellung dokumentiert exemplarische künstlerische Positionen der Selbstbefragung und der Infragestellung körperlich-geschlechtlicher Identität in der Kunst der vergangenen drei Jahrzehnte. In den siebziger Jahren firmierte die deutschsprachige Lyrik unter dem Label „Neue Innerlichkeit“. Der künstlerische Aktionismus jener Jahre ist als Wandel vom interaktiven Happening zu einer Performance Art zu beschreiben, bei der es im wesentlichen um die Selbstdarstellung und Selbstbespiegelung des Akteurs ging. Es fand eine „Tendenzwende“ von eher politisch-soziologisch orientierten Positionen zu einer subjektivistischen Kunst statt.

Aus dieser Zeitstimmung stammen die sechs Mischtechnik-Arbeiten von Arnulf Rainer (1970-1975) und die zwanzigteilige Fotoserie „The Numbergirl“ von Urs Lüthi (1973). Arnulf Rainer hat fotografische Abbilder des eigenen Gesichts und des eigenen Körpers überzeichnet. Mit kräftigen Strichen hat er die Konturen der Arme nachgezogen; das Gesicht ist im wahrsten Wortsinn durchgestrichen. Urs Lüthi posiert jeweils mit nacktem Oberkörper vor der Kamera, aber anstatt der Varieté-Nummerntafeln hält er sich verschiedene Foto-Bilder vor die Brust: Er verbindet diesen kunsthistorischen „Bild im Bild“-Topos mit einem inszenierten Wechsel von persönlichen Rollen und Identitäten. Mund und Augenbrauen sind durch Schminke verändert; auf einem Foto hat er sich eine Karnevalsmaske übergestülpt.

In beiden Fällen leisten die Künstler eine radikale Abkehr vom klassischen Sujet des Selbstporträts. Bei Arnulf Rainer geschieht dies durch eine Gestik der malerischen Destruktion von fotografischen Bildvorlagen, bei Urs Lüthi durch pointierte maskenbildnerische Verfremdungen. Der künstlerische Artikulationswille zielt also nicht auf die Befragung physiognomisch fassbarer Identität, sondern auf die Bearbeitung…

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