Magazin , 1989

Neues Künstlerhaus in Hürth?

Die Schlafstadt Hürth vor den Toren Kölns war bislang allenfalls als Wohnort des früheren Nationaltorwarts Toni Schumacher bekannt. Nun will der vor zwei Jahren gegründete „Kunstverein Hürth e. V.“ den Erftkreis mit „aktueller und professioneller Kunst“ bereichern; als räumliche Basis soll dazu ein „Haus der Kunst“ dienen, für das die beiden Vereinsvorsitzenden Norbert F. Contzen und Bernd Reiter schon ein Gebäude anvisiert haben, verkehrsgünstig in der Nähe des Einkaufszentrums gelegen. „Wir hoffen auf ein Entgegenkommen der Stadt Hürth in der Grundstücksfrage“, so der Kernsatz im Konzeptpapier mit detaillierten Umbauvorschlägen.

Über dieses Immobiliensponsoring hinaus will der Kunstverein der öffentlichen Hand jedoch nicht zur Last fallen – das Unternehmen soll rein „privatwirtschaftlich ohne Subventionen“ betrieben werden, um (kultur-)politische Einflußnahme auf das Programm von vorneherein auszuschließen. Daß für den zentralen Ausstellungsraum ein professioneller Galerist als Manager gesucht wird, dürfte als Novum in der Struktur der Kunstvereine gelten. Die Präsentationen sind denn auch gleichermaßen Verkaufsausstellungen – undenkbar für das Selbstverständnis der traditionellen Kunstvereine, die ihre Offerten generell auf Jahresgaben beschränken.

Contzen, vor einigen Jahren Preisträger des Brühler Max-Ernst-Stipendiums, weiß sehr wohl, daß die Avantgarde, sofern es sie überhaupt noch gibt, in der Provinz auf verlorenem Posten steht. Die Erfolgsaussichten des Projekts, sein Image und seine Resonanz sind denn auch auf eine enge Bindung an die benachbarte Metropole Köln hin angelegt: Das angestrebte „hohe internationale Niveau“ der geplanten Ausstellungen nimmt bewußt den Qualitätsstandard des kölnischen Kunstrummels zum Maßstab; in die Warteliste für die rund 15 Ateliers im Hürther Kunstzentrum haben sich größtenteils schon Kölner…

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