Ausstellungen: Los Angeles/New York/Montréal · von Jutta Schenk-Sorge · S. 360
Ausstellungen: Los Angeles/New York/Montréal , 1994

Jutta Schenk-Sorge

Roy Lichtenstein

Guggenheim Museum, New York, 8.10.1993 – 16.1.1994

Los Angeles County Museum, 30.1. – 3.4.1994

Montreal Museum of Fine Art, 26.5. – 5.9.1994

Es liegt eine gewisse Ironie darin, daß ein Maler mit äußerst kühlem, reserviertem Temperament, der auszog, um alles Persönliche und Handschriftliche aus seiner Kunst zu tilgen, durch eben diesen anonymen Stil – die Nachahmung billiger Drucktechnik – ein Markenzeichen schuf, das prägnanter noch als Warhol der Pop-art ihre emblematische Form gab und spielend von jedermann identifiziert wird. Angesichts von Roy Lichtensteins Popularität überrascht es, daß dies seit 1969 die erste Gesamtschau seines Werks ist. Sie scheint überfällig, unterstreicht sie doch, was auch jetzt wieder von Kritikern wenig zur Kenntnis genommen wird: die komplexen Fragen unter der so eingängigen Oberfläche. Viele davon tauchen in der Kunst der 80er Jahre wieder auf. So ist es nicht ohne Reiz, festzustellen, daß Bilder, die der Popkünstler aus Comics „kopierte“ und dadurch aus dem Trivialen in den Kunstkontext einbrachte, von Sherrie Levine wiederum appropriiert und inhaltlich umgepolt wurden. Leider präsentieren die Ausstellung wie der Katalog das Werk in eher aseptischer Form. „Lichtenstein im Kontext“ wäre aufschlußreicher gewesen. Ausgeklammert bleiben auch die vor 1961 liegenden Versuche des Malers in verschiedenen Ausdrucksmodi und seine ersten noch expressiven „Donald Ducks“ von 1958, also der Prozeß der Stilfindung. Schwerer wiegt, daß keine einzige seiner Vorlagen den Bildern zugesellt ist, denn erst der Vergleich schärft den Blick für seine spezifische Auswahl und Verarbeitung der Motive und offenbart den für Lichtenstein so kennzeichnenden „sharpening effect“. Durch Straffung, Betonung der abstrakten…

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von Jutta Schenk-Sorge

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