Ausstellungen: Köln , 2004

SUSANNE BOECKER

Schritte zur Flucht
von der Arbeit zum Tun

Eine Ausstellung zur Symmetrie von Krise, neuen Solidaritäten und künstlerischem Vorgehen

Museum Ludwig, Köln, 6.3. – 16.5.2004

Den Tauben geht es gut. Sie sind – wie es sich für zeitgenössische Museumsvögel gehört – beim Veterinäramt der Stadt angemeldet und werden von selbigem fachkundig betreut. Und so fressen sie mit gutem Appetit und kacken ausgiebig durch eine kreuzförmige Öffnung im Boden ihres Käfigs. Unten klatschen die Exkremente auf eine Reproduktion von Stefan Lochners „Weltgericht“, wo sie sich zu einer dicken Kruste formieren. Die sinnfällige Installation stammt von dem Argentinier León Ferrari, ebenso wie noch weitere von Vögeln beschissene Reproduktionen abendländischer christlicher Kunst an den nahe gelegenen Säulen des Ausstellungsraums. Der Kot hat schon vor langem Einzug in die Kunst gehalten und sein Provokations-Potenzial scheint inzwischen doch recht ausgereizt. Aber es geht in diesem Fall auch gar nicht um eine Provokation von Kunst und/oder Kirche im traditionellen Sinne. Vielmehr will der Künstler mit der Konfrontation von scheißenden weißen „Friedenstauben“ und der brutalen Drastik mittelalterlicher Malerei „auf die Parallelen zwischen den Folterungs- und Gewaltphantasien der christlichen Mythologie und den Praktiken und dem Rechtsbewusstsein totalitärer Systeme“ hinweisen. Das behauptet zumindest der Ausstellungsführer, der sich als unerlässlicher Weg- und Sinnweiser erweist in einer Schau, in der es nicht um die Präsentation von Kunstwerken geht, sondern um die Veranschaulichung komplexer politischer Entwicklungen auf globaler Ebene.

Im November 2002 reisten die Künstler Alice Creischer und Andreas Siekmann auf Einladung des Goethe Instituts nach Buenos Aires. Mit künstlerischen Methoden wollten sie vor…

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von Susanne Boecker

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