Ausstellungen: Düsseldorf , 1987

Heinz-Norbert Jocks

Sigrid Redhardt

Galerie Zimmer Düsseldorf, 2.7.-11.9.1987

Wie besessen von ihrem Motiv, das gleich mehrfach variiert wird, um es, von allen Seiten erfassend, zu erforschen, malt die 1950 in Wetzlar geborene SIGRID REDHARDT unter dem Einfluß selektierter Wahrnehmungen, die den Anstoß geben, die Welt des Sichtbaren in eine zu ihr parallel laufende, gesonderte Sprache, angesiedelt zwischen Farbe und Form, zu übertragen. Der neue Bildzyklus, dem Wasser als dynamische, sich ständig verändernde Materie, die keiner Begrenzung unterliegt und somit sich ihrem Wesen nach jeder Festschreibung entzieht, gewidmet, zeigt über die Vorliebe der Beuys- und Heerich-Schülerin für die seit Jahren erprobte Collage als Stilmittel hinaus ihre innovative Anpassung an das Gesehene. Das Collagieren bewirkt ein auffallendes Mehr an Irritationen, Effekten und Überschneidungen, ermöglicht Raumsprünge, ein Fallen aus der Höhe in die Tiefe, und das zugunsten eines Perspektivwechsels, der, auf Anhieb nicht erfahrbar, zum Abenteuer für die Augen wird. Die Farbe öffnet sich einem räumlichen Erleben, sie wirkt trotz ihres schichtweisen Auftrags, trotz des Überklebens und Einsetzens vorher bemalter und angelegter Papierreste, die im Atelier nach Farben und Mustern sortiert am Boden liegen, durchlässig.

In dem Maße, wie Redhardt das Motiv gelegentlich zurückdrängt, wird die Farbe zum Stimmungsträger geheimer Dynamik. Aus dem flüchtigen Erscheinungsbild verselbständigt sich der Pinselschwung mit seinem Dauerhang zum Mikroskopischen zur Farbschraffur. Aus ihr erwächst das Bild wie ein lebendiger Organismus. Die Farbe bleibt in Bewegung, dem Wellenspiel nachgedichtet. Dabei hat die Farbe den Gegenstand nie so weit aus den Augen verloren, daß sie wie orientierungslos über die auf Nessel aufgezogenen Papiere stürzt,…

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