Titel: 54. Biennale Venedig , 2011

Singapur

Ho Tzu Nyen – The Cloud of Unknowing. Kommissar: National Arts Council. Kurator: June Yap. Ort: Salone di Ss. Filippo e Giacomo, Museo Diocesano di Venezia

Der Film „The Cloud of Unknowing“ spielt in einem schäbigen Apartmenthaus in Singapur. Hier lebt ein unglaublich fetter Mann, der in seinem akkurat weißen Schlafzimmer im Bett liegt. In einer anderen Wohnung sitzt eine einsame Frau in ihrem spärlich möblierten Wohnzimmer. Ein weiterer Nachbar sitzt in seinem bis unter die Decke mit Büchern vollgestopften Zimmer und exzerpiert wie ein Besessener Texte aus Büchern. Auch der Keller des Hauses ist bewohnt: Hier hat sich ein Mann zwischen lauter Gerümpel ein von zig Glühbirnen erleuchtetes Refugium geschaffen. Und dann gibt es noch einen großen, blonden, massiven Mann, der sich in einer dramatischen Szene in eine Wolke verwandelt. In beiden Gestalten erscheint er den Bewohnern, die darauf mit entsetztem Staunen reagieren.

Ho Tzu Nyen bezieht sich mit seinem Film auf die mystische Abhandlung „Die Wolke des Nichtwissens“. In dem Ende des 14. Jahrhunderts in England von einem anonymen Autor in der Tradition des christlichen Neuplatonismus verfassten Traktat werden die Empfindungen von Unsicherheit und Zweifel auf der Suche nach dem Göttlichen beschrieben. Dieser Zustand von Dunkelheit und fehlender Klarheit – die Wolke des Nichtwissens – sei jedoch notwendig, um zu dem Göttlichen zu gelangen. Gezeigt wird der Film in der Halle der Heiligen Filippo und Giacomo im Diözesanmuseum von Venedig. Die Besucher können sich auf drei großen weißen wolkenförmigen Sitzkissen niederlassen. Nach Ende des Films quillt hinter der Leinwand eine…

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von Susanne Boecker

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