Magazin: Kulturpolitik , 1999

Jutta Schenk-Sorge

Strandgut der Kunstgeschichte?

Das schwierige Erbe der DDR-Auftragskunst

„Propagandaschrott“ nennen es die einen, für die anderen sind es „Kunstwerke, auf die wir stolz sein können“. Entsprechend kontrovers sind auch die Vorstellungen zum weiteren Schicksal von 30.000 Gemälden, Grafiken, Skulpturen und Objekten. Sie waren einst von DDR-Parteien und Massenorganisationen in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben oder angekauft worden und lagern seit 1991 auf Burg Beeskow südöstlich von Berlin. Jetzt läuft die finanzielle Unterstützung der Treuhand für den Erhalt dieses Bestandes zum Jahresende aus. Das ist seit längerem bekannt. Doch erst die aktuelle, noch bis Mai gehende Ausstellung in Beeskow hat für genügend öffentliche Kontroverse gesorgt, um die Politiker in Zugzwang zu bringen. Wohl oder übel muß man sich nun Gedanken über die Zukunft dieses problematischen und emotionsträchtigen Erbes machen. Schon der Titel der Ausstellung läßt das anklingen. „Rahmenwechsel“ meint das völlig veränderte gesellschaftliche Umfeld, in dem sich die einstigen Auftragsarbeiten heute wiederfinden. Knapp hundert Werke wurden zusammengestellt und dokumentiert. Doch ihre ungeschickte Präsentation löste Empörung aus. Die Wände sind mit zum Teil ungerahmten Bildern gepflastert, die Skulpturen wahllos in der Mitte auf schwarzer Plastikfolie abgestellt. Zornige Besucher zogen sogar Parallelen zu den Nazis und der „Entarteten Kunst“ von 1937. Andere sehen „die Künstler in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt“. Tatsächlich läßt dieses Sammelsurium, bei dem Kitsch und Kunst Kante an Kante hängen, dem einzelnen Werk nicht den mindesten Raum. Dennoch ist es nicht richtig, den Kuratoren diffamierende Absichten zu unterstellen. Der Hauptverantwortliche, der Kunsthistoriker Jochen Spielmann ist zwar tatsächlich ein Westimport, doch…

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von Jutta Schenk-Sorge

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