Ausstellungen: Wiesbaden · S. 357
Ausstellungen: Wiesbaden , 1990

Christian Huther

Typographie kann unter Umständen Kunst sein

»Schwitters, Vordemberge-Gildewart und der Ring „Neue Werbegestalter«

Landesmuseum, 6.5. – 8.7.1990

„Typographie kann unter Umständen Kunst sein“, behauptete Kurt Schwitters selbstbewußt, lagen doch bei ihm Kunst, Literatur und Typographie nahe beieinander. Eine groß angelegte Ausstellung im Museum Wiesbaden, die nach dem Diktum Schwitters‘ benannt wurde, widmete sich nun erstmals umfassend seinen gebrauchsgraphischen Arbeiten. Neben Schwitters‘ Ideen wurden auch Friedrich Vordemberge-Gildewarts angewandte Arbeiten vorgestellt, ergänzt von einem Konvolut des Rings „Neue Werbegestalter“. Auf Schwitters‘ Initiative hin hatten sich 1927 neun Gestalter zusammengeschlossen, um eine neue Typographie zu propagieren und gemeinsam auszustellen. Große Teile der 1931 im Stedelijk Museum Amsterdam gezeigten Schau blieben erhalten und sind nun erstmals seit sechzig Jahren wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Somit sind in diesen drei zusammengefaßten Ausstellungen, später in Hannover und Zürich gastierend, rund 1000 Exponate zu sehen.

Schwitters und Vordemberge-Gildewart arbeiteten in den zwanziger und dreißiger Jahren neben- und miteinander in Hannover. Beide begannen 1924 mit typographischen Aufträgen. Schwitters entwarf Ideen für die Bahlsen-Kekse und für die Pelikan-Werke, gestaltete ab 1929 für die Hannoveraner Stadtverwaltung sämtliche Formulare und Plakate neu, vom Briefpapier für das Standesamt bis zu griffigen Slogans für die Straßenbahn oder das städtische Theater. 1933 war es aus mit Schwitters‘ Anstellung; ein Erlaß ordnete die sofortige Verwendung der Frakturschrift an (ironischerweise wurde sie 1941 wieder durch die Antiqua ersetzt). Schwitters‘ typographische Arbeit endete mit der Emigration nach Norwegen 1937, so daß in der Ausstellung nur ein kurzer Zeitraum von etwas mehr als einem Jahrzehnt zu verfolgen war. Deutlich wurde, daß er…

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