Titel: 49. Biennale von Venedig · von Michael Hübl · S. 262
Titel: 49. Biennale von Venedig , 2001

Venezuela

Victor Hugo Irazábal

Kommissar: Luis Ángel Duque

Stellvertretende Kommissare: Myriam Castellanos, Anunciata Fraino

Welches Bild vom Amazonasgebiet darf noch Authentizität beanspruchen? Victor Hugo Irazábal meint, eine objektive Sicht gewonnen zu haben, die zu zwei extremen Ansichten über dieses tropische Areal gleichermaßen Distanz hält. Seit ihrer Entdeckung durch die Europäer gilt die feuchtheiße Region entweder als das verlorene Paradies, das in seiner natürlichen Ursprünglichkeit unberührt bleiben sollte, oder als Ort gieriger Ausbeutung und rücksichtsloser Umweltzerstörung, bemerkt Irazábal1. Seit zwölf Jahren bereist er das amazonische Tiefland, das bis in den Süden Venezuelas reicht. Die Eindrücke, die Hrazábal bei diesen Touren sammelt, haben entscheidenden Einfluss auf seine Arbeit und bestimmen das Programm seiner Ausstellungen, darunter „Resonancias“ (Echos, 1990) und „Amazonia, la ruta de Humboldt en el Orinoco“ (Amazonien. Der Weg Humboldts entlang des Orinoco, 1992/1993). Neuerdings verwendet Irazábal indogene Begriffe als Titel. Seine Präsentation in Venedig nennt er Shapori, Schamane, und deutet damit eine der Quellen an, aus der sich seine künstlerische Praxis speist: die Kultur der eingeborenen Völker und Stämme. Im Grenzgebiet zu den brasilianischen Staaten Roraima und Amazonas hat er sich bei den Yamomami umgetan, die immer noch nach ihren alten Traditionen leben. Die Gestaltungselemente, die er dort kennen gelernt hat, verschmilzt Irazábal mit den Abbreviaturen der Computerkommunikation zu Kürzeln und Strukturen, mit denen er seine Zeichnungen, Malereien und Objekte überzieht. Weil er seine Arbeit zudem als Auseinandersetzung mit der Architektur Carlo Scarpas versteht2, nimmt er auch den Außenraum in Beschlag: Die Gartenmauer des venezolanischen Pavillons hat Irazábal mit Applikationen versehen, die umstehenden Bäume…

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