Magazin: Publikationen , 1999

Wider eine»Alzheimersche Ästhetik«

Im Erinnern an Adorno, Heidegger und Gehlen sucht der Philosoph Günter Seubold die Krise der Kunst zu überwinden

Die Kunst ist tot, es lebe die Kunst!

Und wie kann sie, deren Ende und Erschöpfung allenthalben behauptet wird, weiterleben? Mit Hilfe einer generativdestruktiven Ästhetik! Diesen Weg aus der Krise schlägt zumindest Günter Seubold vor in seiner groß angelegten Studie „Das Ende der Kunst und der Paradigmenwechsel in der Ästhetik“.

Der Grundgedanke ist folgender: Die gegenwärtig unter Künstlern, Ästhetikern und in den Feuilletons grassierende Rede vom „Ende der Kunst“ bzw.“ Tod der Avantgarde“ – sie wird in der Einleitung ausführlich referiert und belegt – verdient ernst genommen zu werden. Den Nullpunkt „modern“ zu zelebrieren oder „postmodern“ in den Fundus der Geschichte zu greifen fährt nicht weiter, sondern gegen die derzeitige Erstarrung muß ein Mittel gefunden werden. Dieses Mittel heißt: Integration der Sinn-Negation der Moderne. Kunst verleiht sich ihr eigenes Ende ein und zeigt das destruktive Moment im Kunstwerk selbst. Das heißt, sie verweigert sich der Darstellung einer Sinn- und Gestalteinheit und arbeitet statt dessen an einer „polyvalenten Grundstruktur“. Damit wird der Rezipient auch Produzent in dem Sinne, daß er den Sinn eines Werkes aus der gegebenen Struktur konstituieren muß. Die Gestalt ist nicht festgelegt; sie bildet sich im Betrachter. Und sie bildet sich immer wieder neu, weil das Auge immer wieder neue Beziehungen schafft und alte von der Struktur zerstört werden. Kunst dieser Art ist ein ständiger Generations- und Destruktionsprozeß.

In diesem Sinne kann Seubold „Erschöpfung“ dann durchaus positiv fassen: als Neu-Schöpfung. Die Möglichkeiten…

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