Biennalen: Istanbul Biennale , 2003

JOERG BADER

8. Istanbul Biennale

„Poetic Justice“

20. 9. – 16. 11 2003

Die Istanbul-Biennale erreicht mit ihrer 8. Ausgabe das Alter der Reife, sowohl in organisatorischen wie auch in inhaltlichen Belangen und die Kunstszene der Stadt wird von Jahr zu Jahr reicher an Institutionen und Galerien. Mit Dan Cameron, dem diesjährigen Kurator (und seinem Architekten Marco Corrales Lantero) finden die Werke eine ausgezeichnete Präsentation und politisch-soziale Themen stehen wieder im Vordergrund. Zwar steht die Hagia-Eirene-Museums-Kirche leer (einzig ein wunderbares, zur Transzendenz neigendes Sufi-Musik-Konzenrt mit Kani Karace fand dort statt), doch an den Quais des Bosporus, da wo die großen Kreuzfahrtkisten anlegen und gleich unterhalb dem ebenfalls bespielten Kulturzentrum der Tophane-Moschee, wurde ein altes Dock in eine großräumige Ausstellungshalle umgebaut. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn ist die Biennale wieder am Puls der Globalisierung: von der begehbaren Terrasse des 1. Stocks der Lagerhalle sieht man auf die vorbeistampfenden Öltanker während vor allem im Erdgeschoss, dem Dunkelbereich der Videoprojektionen, die Künstler Themen wie Krieg und Besetzung (Zypern, Palästina, Ex-Jugoslawien) menschliche, ökologische oder z.B. autorenrechtliche Konsequenzen des „freien“ globalen Handels aufgreifen.

Mit seinem Titel „Poetic Justice“ versucht Cameron – und er gesteht es auch ein – zwei Paradoxe zu vereinen.: Himmel und Erde, meditatives Schauen und engagiertes Handeln, oder wie er es ausdrückt „Die Welt und ihre Geschäfte – des Betrachters Innenleben“. Für die Ungerechtigkeit in der Welt fehlen – auch ihm – die Argumente nicht und im anschließenden Beitrag zeichnet Arundhati Roy konkret am Beispiel der Enron/MERC-Affäre in Indien den heutigen Neo-Kolonialismus der USA nach. Von…

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