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Ausstellungen: Köln · von Jürgen Raap · S. 372 - 373
Ausstellungen: Köln , 1997

Jürgen Raap
Adochi

Zwischen Mond und Meer
Kölnische Galerie des Kölnischen Stadtmuseums, 11.10.-15.11.1997

Für die traditionelle Malerei gibt es zwei Möglichkeiten, Räumlichkeit zu thematisieren: einmal die Erzeugung von Tiefenwirkung durch Mittel der zeichnerischen und farblichen perspektivischen Illusion, durch die das Bild sich “nach hinten” verlängert, zum anderen die Anlage von Kontrastbeziehungen, die einzelne Partien signalhaft hervortreten lassen, als ob sie “nach vorne” in den Real-Raum hineinreichen würden, in dem sich der Betrachter befindet. Adochi zählt zu jenen Vertretern der modernen Malerei, die jeglichen Illusionismus ablehnen, für die aber der Bildraum gleichwohl metaphysisch bleibt. Seine Malprozesse konzentrieren sich auf eine mehrschichtige, teils transparente, teils überdeckende Anlage der Farbe, die die Fläche zum Bildraum macht: ein grauer Hintergrund läßt Rot durchschimmern, darauf sind weiße Punkte und abstrakte schwarze Formen mit klaren Konturen aufgesetzt (“1.X.”, 1996).

In den Papierarbeiten werden diese Formen stärker herausgearbeitet; der graue, in dünner Aquarellierung aufgetragene Hintergrund tritt zurück. Auf einigen Blättern hat das Formeninventar vage figurale Anklänge, erinnert an Blüten, organische Strukturen, Gefäßformen. Andeutungen von Kreisen oder Spiralen sind aber höchstens gestaltpsychologisch faßbar; sie haben keine konkrete Bedeutung, sind weder Symbole noch Metaphern. Dennoch kollidiert beim Betrachten das Wissen um die Gestalthaftigkeit der Dinge in der Alltagswelt bzw. in der Natur mit der künstlerischen Intention, die hier jegliches Interesse an ikonischen oder indexikalischen Zeichen als Vehikel der Bildfindung ausklammert. Gegenüber solchen Formen haben die an einigen Stellen stärker hervortretenden Farbpartien oder die kurvig abknickenden dünnen Linien in den Bildern absolute Gleichwertigkeit als kompositorische Momente, die dem Auge Orientierung und Halt bieten.

Es…



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