Titel: Kunst und Literatur I · von Heinz-Norbert Jocks · S. 42
Titel: Kunst und Literatur I , 1997

Heinz-Norbert Jocks

Die vergessenen Rendezvous der Künste

Oder

Zwangloses Treffen in den Zwischenräumen

Wenn in der Folge von Kunst die Rede ist, so stets von der bildenden im Dialog mit der literarischen. Dabei wird einerseits vorausgesetzt, daß zwischen beiden Gattungen unüberbrückbare, deren Existenz rechtfertigende Unterschiede bestehen, und zwar trotz vereinzelter extremer Bestrebungen, den Zwischenraum aufzuweichen, wenn nicht sogar ganz zu nivellieren. Andererseits ist jedoch dem Tatbestand Rechnung zu tragen, daß es „eine Gemeinschaft der Künste“, ja „ein gemeinsames Problem“ gibt. Denn in der Kunst und in der Malerei wie in der Musik und in der Literatur „geht es nicht um Reproduktion oder Erfindung von Formen, sondern um das Einfangen von Kräften“, weshalb, so Gilles Deleuze, „keine Kunst figurativ“1 ist. Wie wiederholt zu bemerken, sträubt sich etwas dagegen, Kunst und Literatur in einem Atemzug zu nennen. Vor allem deshalb, weil in dem Augenblick, wo wir über das Einende und Trennende der Künste reflektieren, vor uns ein Dschungel wuchernder Probleme auftaucht. Es scheint, als wären wir gezwungen, uns ein Bild von dem zu machen, was Literatur vermag, um uns gleichzeitig über die Kunst und deren Möglichkeitsrahmen bewußt zu werden. Je mehr wir dem nachgeben, um so komplizierter das Unternehmen, dessen Aufgabe es sein soll, Kunst und Literatur einmal nicht gegeneinander auszuspielen, sondern deren individuell verschiedene Dialogformen zu beleuchten. Am Anfang stehen die Hoffnung, beide hätten sich mehr zu sagen, als ihnen lieb ist, und die Skepsis, die Polarität sei schon bis zu einem Grad der Entfremdung gediehen, wo sich diese nicht mehr aufheben läßt. Möglich ist,…

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