Titel: Kunst und Literatur I · von Heinz-Norbert Jocks · S. 186
Titel: Kunst und Literatur I , 1997

Mike Kelley:

»Als Kind war ich ein Bücherwurm, der davon träumte, eines Tages ein Erzähler zu werden«

Ein Gespräch von Heinz-Norbert Jocks

Mike Kelley, ein Mensch in der Revolte, versteht sich trotz weltweiten Erfolgs als ein Undergroundkünstler, dem es weniger um das Wie als um das Was des Ausgedrückten geht. Er ist nicht nur in der Musik, sondern auch in der Literatur zu Hause. Bereits als Kind träumte er davon, Geschichten zu erzählen. Später befaßte er sich mit Beckett, Bernhard, Grass, Pynchon, Gertrude Stein u.a., schrieb selbst, trat als Performer auf, der über das Wesen der Rhetorik reflektierte. Über seinen Draht zur Literatur und darüber, warum er der Schreiberei, obgleich sie ihn beflügelte, dann doch den Rücken kehrte, sprach er in Los Angeles mit Heinz-Norbert Jocks.

*

H.-N.J.: Warum lebst du in Los Angeles?

M.K.: Es war einfach angenehm, daß die 70er Jahre-Kunstszene hier, da es keine Galerien gab, keinen Produktionsdruck ausübte. Man bildete so etwas wie eine Gemeinschaft, und es sprachen mich Künstler wie Chris Burden, Paul McCarthy und jüngere an. Von daher bestand keinerlei Veranlassung, nach New York zu gehen, wo mir die Kunst nicht einmal gefiel. Außerdem war die Metropole am Hudson ein viel zu teures Pflaster, und ich sah eh keine Chance, dort auszustellen. Warum sollte ich dorthin ziehen? Nur um dort zu sein oder um der Szene anzugehören? Das machte weder Sinn, noch paßte ich dahin. In den 80ern, da vieles in New York stagnierte, bestand auch die Gefahr, dort vor die Hunde zu gehen, wenn man nicht gerade reich war….

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