Magazin: Kulturpolitik · von Claudia Wahjudi · S. 462
Magazin: Kulturpolitik , 2000

CLAUDIA WAHJUDI

Allein am Wendepunkt

Die Freie Szene und die neue Kulturpolitik Berlins

Berlin hat endlich seinen Hauptstadtkulturvertrag. Staatsminister Michael Naumann und Christoph Stölzl, der neue Kultursenator von Berlin, einigten sich im Mai darauf, dass der Bund dem Land im diesem Jahr 100 Millionen Mark zuweist. Ein Teilbetrag von 80 Millionen Mark ist für Einrichtungen von besonderer Bedeutung bestimmt, zu denen zwei der drei Opernhäuser, Philharmonisches Orchester, Deutsches Theater und Schauspielhaus gehören sowie das Haus der Kulturen der Welt und das Jüdische Museum. Und aus dem Hauptstadtkulturfonds sollen bis zum Jahr 2004 jährlich 20 Millionen Mark für besonders relevante beziehungsweise innovative Projekte und Veranstaltungen kommen.

So weit, so gut.

Die grundlegenden Probleme der Berliner Kultur haben sich damit aber keinesfalls geklärt. Die Zahlen, die Stölzl in seinem „Bericht zur Bühnenstruktur“ noch vor der Sommerpause vorgelegt hatte, verhießen nichts Gutes: Läuft alles weiter wie bisher, werden die Defizite der Theater in den nächsten zwei Jahren um 57 Millionen Mark steigen. Und kaum waren die Ferien vorbei, musste der parteilose Kultursenator bekannt geben, dass den Staatstheatern eine Kürzung von fünf Prozent ins Haus steht. Dem Kulturbudget waren pauschale Minderausgaben aufgebrummt worden.

Die freie Kultur und die Kultur von Migranten, die in Berlin bei der Geldvergabe ohnehin unter Fernerliefen abgebucht werden, trifft der Sparkurs hart. Das Geld für den freien Bereich soll – auf der Basis des diesjährigen Haushalts – drei Jahre lang um fünf Prozent gekürzt werden. Das Budget für Migrantenkultur, Teil des Topf für die Freien, ist von über eine Millionen Mark im letzten auf rund 800.000…

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