Magazin: Hochschulen & Akademien , 1988

Karlheinz Schmid

Angst vor Kaderpolitik

Eine Akademie im Umbruch: Städelschule Frankfurt

Kunstgeschichte verläuft wellenförmig: Die Zero-Bewegung kühlte das undisziplinierte Irrformel, die Milden vertreiben die letzten Wilden. Was Wunder, daß auch die Geschichte der Kunsthochschulen landauf und landab Wellen schlägt. Bestes Beispiel zurzeit: Frankfurt, jene Metropole, die sich einst als Bank- oder Krankfurt verhohnepipeln ließ und heute umschwärmt wird. Wo Kapital wächst, denken viele, kann auch die Kunst nicht verhungern. Vom Rhein zum Main, raunen die Protagonisten, lautet nun die Devise. Wo die allgemeine Lage den Aufbruch verspricht, kann’s mit dem Nachwuchs nicht abwärtsgehen. Die Städelschule,mit knapp 120 Studenten die kleinste Akademie der Bundesrepublik, probt denn die Mobilmachung, ganz heimlich, versteht sich.

Vor zwanzig Jahren, also zehn vor der akademischen und eben zwanzig vor der nun beginnenden Phase, sollten die Köpfe rollen. Die 68er Generation zog in die Städelschule, um mitten im Lichthof ein Lagerfeuer zu machen. „Gemalt wurde schon, aber mit Vorliebe auf die Wände der Klassenräume und vor allem auf die des Lichthofes“, erinnert sich der ehemalige Städel-Lehrer Johann-Georg Geyger, „es waren Aufrufe, Signale – meterhohe Lettern schlugen vor, die namentlich genannten Professoren einfach umzubringen.“ 1978 war das kein Thema mehr. Im Gegenteil: Es wurde andächtig gelauscht und allenfalls lautstark Verdrückt, was die Professoren geduldig servierten. Friedhofsästhetik stand auf dem Stundenplan.

Die Städelschule, vom Land Hessen seit 1960 per Vertrag finanziell vernachlässigt, steht nun, im Sommer 1988, vordem nächsten Umbruch. Die im öffentlichen Bewußtsein kaum vorhandene Akademie mausert sich. Schonfliegen die ersten Federn, darunter ein Offener Brief an Kasper König, das Weckamin der Frankfurter…

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