Magazin: Bücher · von Lars Blunck · S. 410
Magazin: Bücher , 2004

Ästhetik der Installation

Wie lassen sich die Entgrenzungsten denzen in der Kunst mit deren Autonomie zusammendenken? Juliane Rebentisch, Philosophin und Kunstkritikerin, nimmt sich dieser Frage im Hinblick auf theatralische (oder mit der feinen Ironie Ilya Kabakovs: auf „totale“) sowie auf kinematographische und akustische Installationen an.

Über ihren Begriff, was sie denn unter Installation verstehe, lässt die Autorin den Leser allerdings lange Zeit (genau genommen fast die gesamte erste Hälfte des Buches) im Unklaren. Ihr Installations- Begriff verbleibt mit dem zunächst lapidaren Hinweis, Installationen seien „weniger Werke denn Modelle ihrer Möglichkeit, weniger Beispiele einer neuen Gattung denn immer neue Gattungen“ im Nebulösen. Dies allerdings mit guten Gründen, wie sich bei der Lektüre zunehmend herausstellt, will die Autorin den ästhetischen Begriff der Installation doch keinesfalls in technisch-instrumentellem Sinne (nicht „von der Klempnerei her“) begriffen wissen, sondern von den „´auf- und herstellenden´ Prozessen der ästhetischen Erfahrung“ her.

Ihre Auseinandersetzung mit den ästhetischen Theorien und Theoremen, die ihr den „kunstkritischen und -theoretischen Diskurs um installative Praktiken“ zu kennzeichnen scheinen (Cavell, Fried, Greenberg, Luhmann, Kabakov, Adorno, Heidegger u.a.), ordnet die Autorin, wie sie selbst schreibt, „um einzelne Brennpunkte“: Theatralität und Autonomie, Medium und Form, Raum und Zeit oder etwa Intervention und Ortsspezifik. In ihrer ausgesprochen klugen Re-Lektüre von Michael Frieds notorischem Essay „Art and Objecthood“ von 1967 arbeitet Rebentisch beispiels- weise heraus, dass Theatralität – seit Fried eine der Kampfvokabeln der Apologeten werkästhetischer Autonomie (die gleichwohl längst ihre entkräftende Affirmation in den Debatten um Performativität erfahren hat) – ein Strukturmerkmal aller Kunst darstellt. In installativen Arbeiten indes zeige…

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