Titel: Essen und Trinken II · von Jürgen Raap · S. 116
Titel: Essen und Trinken II , 2002

BANANEN

> Früchte

Im Juli 1988 drehte sich in der Kölner Produzentengalerie „Ultimate Akademie“ alles um die gelbe Frucht: Al Hansen, Ingrid Grundheber, Hans-Jörg Tauchert, Klaus Kästle und vierzehn weitere Künstler präsentierten sich in den Räumen und im Hof mit mixed-medialen Events auf einer „documenta banana“. Die Exponate zeigten ausschließlich Bananen-Motive, und die eine oder andere der beteiligten Künstlerinnen hatte als Performance-Kostüm ein Bananenröckchen gewählt wie weiland die legendäre Nachtclubtänzerin Josephine Baker. Zu essen und zu trinken gab es selbstverständlich nur bananenhaltige Desserts und Cocktails. Das Publikum musste zur Bezahlung der Drinks sein Geld in dicke Peso-Bündel eintauschen, der Währung einer fiktiven „Bananenrepublik“. Hans-Jörg Tauchert rief kurze Zeit später auch noch sein privates Atelier zum „Bananenbüro“ aus.

Seit Andy Warhol eine stilisierte Comic-Banane zur Pop Art-Ikone erhoben hatte, inspirierte die gekrümmte exotische Frucht immer wieder die Künstler zu Bildmotiven und zu Pseudonymen. Heinz Zolper ließ 1978 in seinem Kölner „palazzo“-Theater eine Punk-Band namens „Fred Banana Combo“ auftreten, und der Maler Ralf Johannes nahm den Künstlernamen „Charly Banana“ an. Keine andere Frucht ist so sehr zum Synonym für die tropische Ferne und die dortige „südliche“ Lebenskultur geworden, und deswegen brachte es gerade die Banane in der deutschen „Wende“ 1989/90 zum Symbol für den globalisierten Konsumkapitalismus, als die Besucher aus dem Osten erstmals ungehindert West-Berliner Supermärkte besuchen durften. Das Satire-Blatt „Titanic“ hievte eine junge Dame aufs Cover: „Zonen-Gabi: Meine erste Banane“. Auch Klaus Staeck integrierte 1990 ein Bananen-Motiv in seine politisch-zeitkritische Plakat- und Postkartenserie.

Der Künstler Thomas Baumgärtel hatte bereits 1983 angefangen, Bananenschalen zu kultivieren und…

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