Titel: Essen und Trinken II , 2002

FAST FOOD, IMBISS

> B. RICHARD: „FAST FOOD – FAST MOVES“

Lord Sandwich war ein leidenschaftlicher Kartenspieler und hasste es, in seinem Club die Partie zum Essen unterbrechen zu müssen. Deshalb orderte er beim Club-Personal belegte Brote, die er mit einer Hand halten und während des Spiels verzehren konnte, und die später nach ihm „Sandwich“ benannt wurden. Sozialhistorisch liegt der Ursprung der Fast Food-Kultur in den britischen Industriestädten des ausgehenden 19. Jh. Imbiss-Stände hatte es zwar schon in der römischen Antike entlang der Handelsstraßen, auf Märkten, auf den Plätzen vor den Theatern und im Einzugsbereich einer Gladiatoren-Arena gegeben.1 Doch erst nach 1850 führte die räumliche Trennung von Industriearealen und Wohnvierteln zur Ausbreitung der Snack-Kultur:

Mangels genügend großer Grundstücke in den historischen Stadtzentren errichtete man die Fabriken in neu angelegten Vororten, urbanisierte so die ländlichen Randgebiete. Im britischen Industriegebiet von Birmingham und Manchester, im belgischen Montanrevier entlang der Maas zwischen Lüttich und Namur und im deutschen Ruhrgebiet dehnten sich innerhalb weniger Jahre Dörfer und beschauliche Städtchen zu metropolischen Gebilden aus.

Zwar entstanden im Zuge einer solchen Stadtplanung häufig auch Werkssiedlungen in unmittelbarer Nähe der Produktionsanlagen. Aber ein erheblicher Teil der Belegschaft musste trotzdem längere Wege quer durch die Stadt auf sich nehmen und konnte nicht mehr in der Mittagspause einfach kurz nach Hause gehen. Wo es keine Firmenkantine gab, kümmerten sich in England vor den Fabriktoren Fischbratereien („Fish & Chips“) um die gastronomische Nahversorgung der Arbeiter. Das deutsche Pendant dazu ist die Würstchenbude, die man bis heute nicht nur auf Rummelplätzen oder an Fußballstadien findet,…

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