Titel: Essen und Trinken II , 2002

BANKETTE

> Bewirtung

„Üppige Darstellungen bevölkern manchen Schüsselgrund, um die Herkunft von Speisen, von Früchten und Gemüsen zu veranschaulichen. Im Zeitalter der Hamburger, der Fischstäbchen und Instant-Würfel erscheint dies wahrhaft exotisch.“1 Die Düsseldorfer Künstlergruppe „Die Langheimer“ (Robert Hartmann, Ulrike Zilly, Werner Reuber) hat ein „Prunkgeschirr“ für fünfzig Personen entworfen. Es ist eine „Skulpturen-, Geschirr- und Speiselandschaft“. Elemente, die bei traditionellem Geschirr ursprünglich nur eine reine Schmuckfunktion haben, etwa beim Deckel einer Sauciere, als vergoldeter Rand einer Schale oder als geschnitzter Serviettenhalter, haben sich bei den „Langheimern“ als Tischgerät plastisch verselbständigt. „Schon die Bezeichnung ,Prunkgeschirr‘ lässt an ein höfisches Zeremoniell denken, vor allem an Tischkunst, die im Zeitalter des Manierismus ihr eigentümlichstes Gepräge gefunden hat.“2

Mit diesem Prunkgeschirr tafelten die Gäste eines „Mäzenatenessens“, das die Gruppe 1995 im Essener Kunstverein Ruhr und im Bauhaus Fischer Wuppertal durchführte. 1997 lud die Gruppe zu Banketten in den Galerien Janine Mautsch (Köln) und Erhard Klein (Bad Münstereifel) sowie im Museum Ratingen und im Kunstraum Düsseldorf („Beggar’s Banquet“). 1999 folgte ein Essen im Museum Schloß Morsbroich Leverkusen und 2001 im Museum Bamberg. Jede Soirée hatte einen eigenen Titel wie „Es ist angerichtet“ oder „Lauter Lust wohin das Auge gafft“. Als Gäste der Künstler speisten etwa der Kölner Arzt und Sammler Dr. Rainer Speck, der Aachener Mäzen Hans Backes, Dr. Evelyn Weiss vom Kölner Museum Ludwig, der Koch Edwin Paas, die Ratinger Museumsdirektorin Dr. Ursula Mildner, der Künstlerkollege Jürgen Klauke, der Galerist Maximilian Krips sowie diverse Bankdirektoren, Kommunalpolitiker und Oberstadtdirektoren.

Solche Prunkmenüs aus der Feudalzeit leben heute nicht nur im…

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